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TGV machts wie die Billigflieger

Die französische Staatsbahn macht einen Schritt, den man bisher nur von Airlines kennt: Sie startet 2013 ein Tiefpreisangebot.

Will mit Billiglinie punkten: Französische Staatsbahn.
Will mit Billiglinie punkten: Französische Staatsbahn.

Nur ein Gepäckstück, wenig Service, periphere Abgangsorte: Was man von Fluggesellschaften wie Southwest, Easyjet und Ryanair kennt, will die Société Nationale des Chemins de fer français (SNCF) offenbar bald auch anbieten.

Wie der französische Radiosender RTL meldet, starten die Staatsbahnen Frankreichs bald ein eigenes Low-Cost-Angebot. Für unter 25 Euro soll man dann mit Hochgeschwindigkeitszügen reisen können. Geplant ist der Start für nächstes Jahr. Rund dreissig wöchentliche Billigverbindungen will die SNCF offenbar dann anbieten. Allerdings werden zuerst nur zwei Strecken bedient: Aus der Region Paris geht es via Lyon nach Marseille und nach Montpellier.

Nur eine Klasse

Wer mit den Billig-TGV reisen will, muss auf einiges verzichten. So bieten die Züge nur eine einzige Klasse, die Economy. Zudem dürfen Reisende nur einen Koffer oder eine Tasche mit an Bord nehmen. Und an Bord wird es keine Bar oder keinen Speisewagen oder sonstige Dienstleistungen geben, wie RTL berichtet. Die supergünstigen Züge werden auch nicht in die Zentren der Städte fahren, sondern lediglich in die Peripherie. In Paris etwa fahren sie nicht vom Gare de l'Est oder Gare Montparnasse, sondern vom Bahnhof ?Marne-la-Vallée. Er liegt 45 Kilometer östlich des Stadtzentrums.?

?Tiefere Kosten?

?Mit dem Schritt will die SNCF die Kosten senken. Es ist damit die gleiche Überlegung, die viele Fluggesellschaften und nun auch Lufthansa über einen eigenen starken Billigflieger nachdenken lässt. Er soll die Billigtochter Germanwings und das dezentrale Europa-Geschäft umfassen und den sperrigen Namen Direct4U tragen. ? ?Die Airlines dürften die Pläne nicht besonders freuen.

Schnellzüge setzen Airlines unter Druck

In Frankreich macht ihnen der Schnellzugverkehr ohnehin zu schaffen. Der TGV hält auf den Inlandstrecken mittlerweile einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Mit zunehmender Entfernung verringert er sich aber. Bei einer Fahrtzeit von etwa zwei Stunden ist er mit 86 Prozent laut der Technischen Universität Paris am grössten, bei drei Stunden sind es immerhin noch 65 Prozent – das beträfe etwa die Strecke von Paris nach London.

Und bei vier Stunden Fahrtzeit sind es immer noch 45 Prozent Marktanteil für die Bahn. Das ist für die Fluggesellschaften schmerzhaft. Air France verliert etwa allein auf der Strecke des TGV-Ost zwischen Paris und Strassburg jährlich etwa 500'000 Passagiere. Das Billigangebot dürfte nun noch mehr von ihnen abgrasen. ?

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