Schneck lass nach!

Ein völlig schneckenloser Garten ist zwar eine Illusion. Aber es gibt durchaus die eine oder andere Möglichkeit, seine Jungpflanzen zu schützen und die Weichtiere auszutricksen.

Des Gärtners Albtraum: Eine Nacktschnecke tut sich an einem Salat gütlich. Foto: iStock

Des Gärtners Albtraum: Eine Nacktschnecke tut sich an einem Salat gütlich. Foto: iStock

Über keinen Gartenlästling gibt es mehr Kummerliteratur und Foren als über Schnecken. Den vielen Tipps – vom brachialen Zerschneiden über das angeblich freundlichere Tiefgefrieren bis hin zum fiesen Gift – zum Trotz: Ein völlig schneckenfreier Garten ist eine Illusion. Die Weichtiere radikal abzumurksen, sollte für Hobbygärtner eh der letzte Zwick an der Geisel sein, denn wie alle Lebewesen in einem Ökosystem haben auch sie eine Funktion: Gut, sie machen sich gerne über einen frisch gepflanzten Salatsetzling her, wenn sie nichts anderes finden, aber sie sind auch Aufräumer und laben sich mit ihren Raspelzungen an totem oder welkem organischem Material.

Es gibt verschiedene Arten der Weichtiere, am meisten Kopf­zerbrechen im Garten bereitet die Spanische Wegschnecke, eine ohne Häuschen. Um diese auszutricksen und ihrem Kahlfrass wenigstens etwas vorzubeugen, gibt es durchaus Möglichkeiten.

Vor allem Setzlinge müssen geschützt werden

Zarte Gemüsejungpflanzen sind besonders beliebt unter den Schnecken, da das Blattgewebe noch weich ist. Werden robuste Setzlinge ausgewählt, die nicht turbomässig produziert wurden, ist das vorteilhaft im Vergleich zu den müden, in Eile und mit viel Dünger hochgezogenen Setzlingen aus dem Grosshandel, deren Blattgewebe noch weicher ist.

Als Schutz eignen sich Schneckenkragen, das sind Metall- oder Kunststoffringe, die den Setzling rundherum abschirmen. Achtung: Überhängende Blätter bieten eine ideale Brücke zur Köstlichkeit. Sobald die Jungpflanzen herangewachsen sind, nimmt die Fresslust der Schnecken ab, weil das Blattgewebe fester geworden ist. Gut zu beobachten ist dies bei den Kürbisgewächsen: Als Jungpflanzen äusserst beliebt, werden sie ausgewachsen verschmäht, weil die Blätter zu zäh sind.

Nacktschnecken sind auf stetige Feuchtigkeit angewiesen, damit sie ihre Schleimschutzschicht bewahren. Sie kriechen zudem ungern über trockene, raue Oberflächen. Das Giessen am Abend sollte man darum möglichst unterlassen, weil man dadurch den dämmerungsaktiven Weichtieren gewissermassen den roten Teppich ausrollt. Und: Es ist besser, nicht flächig, sondern gezielt den Wurzelbereich der einzelnen Pflanzen zu giessen.

Mulchen lässt Schnecken stolpern

Wenn im Frühjahr der Boden noch nicht komplett bewachsen ist, weil die Pflänzchen klein sind, sollte man zudem unbedingt Mulch ausbringen. Das kann etwa Schilfhäcksel oder getrockneter Rasenschnitt gespickt mit Eierschalen sein, das erschwert den Schnecken die Fortbewegung. Darüber hinaus sorgt Mulch für eine länger anhaltende Bodenfeuchtigkeit und verbessert die Bodenstruktur.

Anstatt auf bestimmten Pflanzen zu beharren und Jahr für Jahr die kläglichen Überreste nach einem Schneckenbesuch betrauern zu müssen, wie oft beim Rittersporn oder einer Echinacea zu beobachten, ist es empfehlenswert, schneckenresistente Pflanzen zu wählen. Im Zierpflanzenbereich gibt es eine Reihe von Stauden, die den Schnecken nicht schmecken, so etwa die Montbretie, der Islandmohn oder die Fetthenne. Auch Einjährige wie Ringelblume, Borretsch, Fuchsschwanz und die Jungfer im Grünen trotzen den Schleimern.

Eine bewährte Methode ist das frühmorgendliche Absammeln. Nur bleibt die Frage: Wohin damit, wenn die Schnecken lebendig bleiben sollen? In Nachbars Garten ist allzu dreist, auf dem Kompost könnten sie sich zwar wieder ihrer Aufgabe als Aufräumer widmen, aber dies macht nur Sinn, wenn später der Kompost, bevor er im Garten ausgebracht wird, fein gesiebt wird, damit die inzwischen gelegten Schneckeneier nicht im Garten landen. Das wäre äusserst kontraproduktiv. Es bleibt nur, sie im Eimer auf einen Spaziergang mitzunehmen und an einem Ort, wo sie niemandem in die Quere kommen, freizulassen.

Neuer Trend: Teilzeit-Enten mit Hütte

In grösseren Gartenanlagen lohnt es sich, für die Schnecken etwas anzupflanzen, das sie fressen dürfen, ja sollen. In der Hoffnung, dass sie dann den Rest stehen lassen. Tagetes etwa mögen sie besonders gerne. Eine weitere Möglichkeit ist, ein kleines Schneckenschlaraffenland einzurichten: An einem schattigen, eher feuchten Ort, der nicht nahe bei den Beeten ist, etwas Gemüseernterückstände oder Rüstabfälle deponieren.

Die Schneckenpolizei ist unterwegs: Indische Laufenten haben grossen Appetit auf die Weichtiere. Foto: Panther Media GmbH / Alamy Stock Photo

Igel haben grossen Appetit auf Schnecken. Ist der Garten igelfreundlich gestaltet, etwa mit einem Asthaufen als Winterquartier, ist dies förderlich. Und eine wirkungsvoll-kreative Art, die Schnecken zu dezimieren: Indische Laufenten vertilgen im Schnitt mehr als ein Dutzend der Weichtiere pro Tag. Wer selber keine Enten halten mag: Man kann sie paarweise oder in grösseren Gruppen auch für einige Wochen mieten, so etwa bei «Rent en Ent» (Info: www.oechs­lin.eu). Ein Hüttli, in dem die Enten nach dem Eindunkeln vor Marder und Fuchs geschützt übernachten können, wird mitgeliefert.

Kommt es trotz allem zum letzten Zwick, also zum Einsatz von Gift, dann unbedingt biologische Schneckenkörner verwenden, diese sind nützlingsschonend und nicht allzu umweltschädlich. Die Kadaver der vergifteten Schnecken sollte man besser nicht liegen lassen: Ihre Artgenossen kommen nämlich sehr gerne zum kannibalistischen Leichenschmaus.

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