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Prozess in ThunLeichter Missbrauch und heftige Pornos

Ein 53-jähriger Mann ist vom Regionalgericht Berner Oberland wegen Kindesmissbrauch, Ausnützung einer Notlage und Pornografie zu einer bedingten Haftstrafe von 10 Monaten und zu einer Geldbusse verurteilt worden.

Das Regionalgericht Berner Oberland in Thun, wo der Beschuldigte am Mittwoch zur einer bedingten Haftstrafe verurteilt worden ist.
Das Regionalgericht Berner Oberland in Thun, wo der Beschuldigte am Mittwoch zur einer bedingten Haftstrafe verurteilt worden ist.
Foto: BOM

Leicht hatte es die 25-jährige Frau im Leben nicht. Sie ist lernbehindert, konnte nicht bei ihrer Mutter aufwachsen, sondern lebte in einer Institution für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Die Wochenenden und Ferien durfte sie bei ihrer Tante verbringen, die kinderlos verheiratet war. Dort war ihr Zuhause. Heute wohnt sie selbstständig, arbeitet in einer geschützten Werkstatt und lebte vor Gericht auf, als sie von ihren Hochzeitsvorbereitungen sprach.

2017 bekam sie eine Whatsapp-Nachricht von ihrem Onkel. Der Inhalt war sexuell geprägt. Sie schickte ihm auf seine Nachfrage das Foto ihrer 8-jährigen Nichte. Das beschäftigte sie, und sie erzählte es einer Betreuungsperson. Damit kam ein Stein ins Rollen. Sie erinnere sich genau, zweimal sexuelle Kontakte mit dem Onkel gehabt zu haben, sagte sie gestern vor Gericht.

Beide Male ging es hauptsächlich darum, dass sie seinen Penis massieren musste. Den ersten Vorfall datierte die Anklageschrift auf die erste Hälfte 2011, und damals war sie noch minderjährig. Das zweite Mal passierte es 2013 oder 2014, im Erwachsenenalter. Dieser Vorgang war vom Beschuldigten unbestritten, allerdings habe er der jungen Frau auf ihren Wunsch den Gebrauch eines Präservativs zeigen wollen.

Intensive Therapie

Der Beschuldigte war im Juli 2014 wegen Kinderpornografie zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden. Er weiss um seine Probleme und hat sich einer intensiven Therapie unterzogen. Sein Verteidiger versuchte, dass Aussageverhalten der jungen Frau in Bezug auf den sexuellen Missbrauch 2011 als unglaubwürdig darzustellen. Insbesondere, weil sie die Lage ihres damaligen Zimmers bei der Befragung falsch beschrieben hat.

Es ging aber aus dem Tagebuch ihrer Tante hervor, dass 2011 etwas passiert war. Damals scheint ihr niemand geglaubt zu haben. Sie wurde zu ihrer Mutter geschickt und musste sich entschuldigen, bevor sie wieder zu Tante und Onkel gehen durfte. Gerichtspräsident Jürg Santschi schloss daraus, dass sie sich beim zweiten Vorfall in einer Notlage befand und sich nicht wehrte, weil sie Angst hatte, ihr Zuhause zu verlieren. «Die Art des Missbrauchs ist eher als leicht einzustufen», sagte er. Für den sexuellen Missbrauch eines Kindes und die Ausnützung einer Notlage verurteilte er den Beschuldigten zu einer Gefängnisstrafe von zehn Monaten bedingt. Der jungen Frau sprach er eine Genugtuung von 5000 Franken zu.

Heftige Pornografie

Einen Schuldspruch und eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen gab es im Anklagepunkt Pornografie. Zwar plädierte der Anwalt des Beschuldigten auf einen zumindest teilweisen Freispruch, weil nur ein einziger der in der Anklageschrift zitierten Chatbeiträge auf einem Erotikportal nicht verjährt war. Angeklagt war der Mann wegen 1000 Chatbeiträgen, in denen von sexuellen Handlungen mit Kindern, Tieren oder Gewaltanwendung geschrieben worden war.

Der Gerichtspräsident schaute vor der Urteilseröffnung persönlich nach und fand mindestens 47 strafbare Chatbeiträge, die nicht verjährt waren. Die Inhalte der Sexfantasien mit kleinen Mädchen und extremer Gewalt waren heftig, Bilder und Fotos gab es aber nicht. In der Strafe ist die Vorstrafe eingeschlossen, und der Gerichtspräsident entschied, dass sie angesichts des Willens des Verurteilten, sich therapieren zu lassen und die Therapie fortzusetzen, bedingt ausgesprochen werden konnte.