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Berner LiteraturfestLorenz Paulis neues Buch steckt voller Überraschungen

Am Berner Literaturfest, das am Dienstag startet, präsentiert Lorenz Pauli seinen ersten Roman «Der beste Notfall der Welt».

Kinderbuchautor Lorenz Pauli an seinem Arbeitsplatz in Bern.
Kinderbuchautor Lorenz Pauli an seinem Arbeitsplatz in Bern.
Foto: Christian Pfander

Der Berner Lorenz Pauli ist vor allem bekannt als Autor von Bilderbüchern. Für sein Schaffen hat er bereits zahlreiche Preise erhalten. So wurde er 2017 für «Rigo und Rosa», das von zwei tierischen Freunden handelt, mit dem Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis ausgezeichnet. Die Ehre teilte er sich mit der Baslerin Kathrin Schärer, welche die Illustrationen beigesteuert hatte. Mit ihr arbeitet Lorenz Pauli regelmässig zusammen.

Doch nun wollte der Berner, der auch Erzähltheater macht und vor Schulklassen auftritt, seine gewohnten Pfade verlassen: Er hat seinen ersten Roman geschrieben. «Der beste Notfall der Welt» eignet sich für Kinder zwischen acht und elf Jahren. Bisher richtete der ehemalige Kindergärtner seine Geschichten eher an ein jüngeres Publikum zwischen vier und acht Jahren.

Woher kommt der Sinneswandel? «Die Geschichte wollte sich entwickeln, und endlich traute ich mir die grössere Form zu», sagt der 53-Jährige auf Anfrage. Das habe vor allem daran gelegen, dass ihm die Stiftung Erbprozent Kultur ein Mentorat geschenkt habe: Der Berner Schriftsteller Christoph Simon («Planet Obrist», «Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen») begleitete Pauli beim Schreibprozess.

«Er war mir ein kluger, spannender Sparringpartner. Ohne ihn hätte ich mir den Roman wohl nicht zugetraut», sagt Pauli dazu. «Zumal ich zwar den Ausgangspunkt der Geschichte kannte, aber nicht wusste, wo sie mich hinführen würde.»

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden 9-Jährigen Ben und Gustav – und einige fantastische Wesen.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden 9-Jährigen Ben und Gustav – und einige fantastische Wesen.
Bild: © 2020 Atlantis, Zürich

Schluss überrascht nicht, aber alles dazwischen

Die Grundidee von «Der beste Notfall der Welt» ist schnell erzählt: Ben soll in den Ferien für zwölf Tage zu Gustav und dessen Eltern, weil die Oma kurzfristig abgesagt hat. Gustav ärgert sich ziemlich darüber, dass er nun sein Zimmer mit Ben teilen muss, den er nicht ausstehen kann.

Wie die Geschichte enden wird, ist absehbar: Die beiden 9-Jährigen werden ihre gegenseitige Abneigung überwinden und sich anfreunden. Zum Glück ist der Weg dorthin gespickt mit unerwarteten Wendungen.

Das beginnt bereits, als Gustavs Eltern mit Ben im Auto zurückreisen. Auf dem Weg durch einen Wald fahren sie eine Maus an. Ben und Gustav insistieren, dass die Eltern das verletzte Tier mitnehmen müssten, um es gesund zu pflegen. Doch später stellt sich heraus, dass die Maus gar keine Maus ist – und dass sich mit dem Tier noch ein anderes Wesen in das Auto geschlichen hat.

Wieso darf man nur mit Argumenten um sich schlagen?

Geschickt mischt der Autor Fantastisches und Realität. Das Surreale dient vor allem dazu, die Buben einander näherzubringen, weil sie gegen die Erwachsenen zusammenhalten müssen. Die Geschichte ist witzig und temporeich erzählt. Und die grossartigen Illustrationen von Adam Vogt bilden die beschriebenen Szenen nicht einfach ab, sondern wecken Neugierde.

Die Illustrationen von Adam Vogt lassen Raum für die eigene Fantasie.
Die Illustrationen von Adam Vogt lassen Raum für die eigene Fantasie.
Bild: © 2020 Atlantis, Zürich

Lorenz Pauli zeichnet seine Figuren sorgfältig, sie driften trotz ihrer deutlichen Unterschiede nie ins Klischeehafte ab. Ben ist zwar klar der Intellektuelle und Gustav der Sportliche, doch so platt würde das der Autor nie ausdrücken. Er zeigt ihre Persönlichkeiten vielmehr anhand der Überlegungen, die sie sich machen.

Zum Beispiel denkt Gustav nach einer Auseinandersetzung mit Ben, bei der er rhetorisch unterlag: «Warum fanden es die Erwachsenen immer in Ordnung, wenn man mit Argumenten auf ihn eindrosch? Und warum fanden sie es ganz furchtbar, wenn er mit den Fäusten zurückdrosch? In beiden Fällen ging es doch darum, zu gewinnen.»

In solchen Momenten spürt man den ausgebildeten Kindergärtner hinter dem Autor: Er gibt Kindern und ihren Eltern gerne Anstösse für Diskussionen.

Ob weitere Romane geplant sind, will Lorenz Pauli nicht verraten. Er sagt, das hänge von der Resonanz auf «Der beste Notfall der Welt» ab. Den ersten Test wird das Werk kommenden Samstag, 29. August, bestehen müssen. Dann stellt Pauli sein Buch im Rahmen des Berner Literaturfests der Öffentlichkeit vor.

Lorenz Pauli: «Der beste Notfall der Welt», Atlantis 2020, 220 S., ca. 22 Fr.

Berner Literaturfest: 25. bis 30.8., www.berner-literaturfest.ch, Lorenz Pauli tritt am 29.8. um 14 Uhr im Kunst- und Kulturhaus Visavis auf.