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Interview: Prostitution in der Schweiz«Männer erliegen der Illusion, etwas Besonderes zu sein»

Die Journalistin Aline Wüst hat ein Buch über Prostituierte in unserem Land geschrieben. Die Frauen würden eine permanente Grenzüberschreitung erfahren, sagt sie.

«Die Prostituierten unterscheiden zwischen der normalen Welt und ihrer Welt. Was uns verband, war, dass wir Frauen sind»: Aline Wüst hat für ihre Recherche über Prostitution in der Schweiz regelmässig ein Bordell besucht.
«Die Prostituierten unterscheiden zwischen der normalen Welt und ihrer Welt. Was uns verband, war, dass wir Frauen sind»: Aline Wüst hat für ihre Recherche über Prostitution in der Schweiz regelmässig ein Bordell besucht.
Foto: Andrea Zahler

Frau Wüst, Sie recherchierten zwei Jahre über das Rotlichtmilieu in der Schweiz: Sie redeten mit hundert Prostituierten, besuchten den Strich, gingen regelmässig in ein Bordell. Wie war es dort für Sie als Frau?

Eine Frau sagte zu mir: Du bist die Einzige, die jemals hergekommen ist und sich nicht prostituiert. Die Frauen unterscheiden zwischen der normalen Welt und ihrer Welt. Ich habe ihre Welt betreten und bin immer wieder in mein privilegiertes Leben zurückgekehrt. Was uns verband, war, dass wir Frauen sind. Das war schön, aber auch brutal, weil ich als Aussenstehende Situationen beobachtet habe, die ich klar als Übergriffe bewerte. Ein bestimmter Moment blieb mir lange im Kopf.

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