«Bienvenue au Sénégal!»

Farbenfroh und chaotisch, aber überschaubarer und sicherer als andere Länder auf dem Kontinent: Senegal, wo Französisch Amts­sprache ist, ist eine ideale Destination für Afrika-Neulinge.

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Senegal sieht sich gerne als das Land der Teranga – der Gastfreundschaft. Und tatsächlich, die Leute sind offen, freundlich und hilfsbereit. «Bienvenue au Sénégal!», wird man während des Aufenthalts oft zu hören bekommen – ganz egal, ob man erst seit zwei Tagen oder bereits seit zwei Wochen im Land ist. Somit bietet Senegal gerade Afrika-Neulingen eine gute Einführung in den Kontinent. Bunt und chaotisch, klar, aber doch überschaubarer und verständlicher als andere Teile Afrikas. Und vor allem sicher.

Natürlich gibt es auch hier Diebstahl, doch anders als beispielsweise in Südafrika muss man in den grossen Städten nicht einzelne Quartiere meiden. Zudem ist die Amtssprache Französisch, was das Reisen für Schweizer um einiges vereinfacht. Die meisten Senegalesen (jedenfalls in den urbanen Gegenden) haben zumindest Grundkenntnisse, in den grossen Städten sprechen sie oft sehr gutes Französisch.

Dakar wird in den meisten Reiseführern vernachlässigt, doch die Hauptstadt bietet viel Sehenswürdiges. Aber auch schon nur der Alltag, die Strassen, das Leben sind faszinierend. Eine gute Möglichkeit, dies zu erleben, ist der Besuch eines der Märkte. Sei es im Allerleimarkt von Colobane, im Tüchermarkt HLM oder im Früchte- und Gemüsemarkt Castor. Im Markt von Colobane findet man alles – von europäischer Secondhand-Kleidung über Ersatzteile fürs Smartphone bis hin zu Küchenutensilien.

Die Verkäufer preisen ihre Ware lautstark an, manche haben dafür ­ihre Slogans aufgenommen und spielen sie den ganzen Tag über Lautsprecher ab. Für Souvenirs sollte man unbedingt den Kunstmarkt Soumbedioune besuchen. Hier verkaufen Künstler ihre Werke – seien es wunderbare farbige Gemälde, kunstvolle Holz­figuren, kreativer Schmuck oder bunte Kleidung und Tücher.

Umstrittenes Wahrzeichen

Das Wahrzeichen Senegals ist erst ein paar Jahre alt – 2010 wurde die 49 Meter hohe Bronzestatue anlässlich des 50. Jahrestags der Unabhängigkeit des Landes von Frankreich auf einem Hügel eingeweiht, sie ist von fast überall in der Stadt sichtbar. Diese Statue eines Mannes mit einem Kind auf dem Arm und einer Frau an der Hand ist sehr umstritten. 27 Millionen US-Dollar kostete der Bau; die Senegalesen hätten dieses Geld lieber in Bereichen wie der Bildung oder der Gesundheit investiert gesehen.

Nicht ganz unproblematisch ist auch die Tatsache, dass Nordkorea einen Teil der Kosten für den Bau übernommen hat. Nichtsdestotrotz ist das Denkmal beeindruckend. Tagsüber kann man die Treppen zum Fuss des Denkmals erklimmen und mit einem Lift nach oben in den Kopf des Mannes hinauffahren. Von hier hat man eine wunderbare Sicht über Dakar.

Dakar kann man nicht verlassen, ohne die Insel Gorée besichtigt zu haben. Diese frühere Sklavenhandelinsel ist heute für Besucher zugänglich. Touristenführer bieten einen interessanten Einblick in die traurige Geschichte des Sklavenhandels der Insel, aber auch des übrigen Afrikas.

Dunkles Kapitel

Beim alten Kolonialgebäude mit den Gefangenenräumen kann man sich an den Ort stellen, von wo aus insgesamt 15 Millionen Sklaven nach Amerika verschifft wurden: «the door of no return» – die Tür ohne Rückkehr. Diesen Ort besuchten auch Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II., Nelson Mandela und Barack Obama. Die Insel beherbergt zudem ein Museum, und auf dem Weg zur Spitze des Hügels kommt man an verschiedenen Kunstständen vorbei.

Es haben sich zahlreiche Künstler auf der Insel niedergelassen. Besonders bekannt sind die Gemälde, die aus Recyclingmaterial hergestellt werden – da bildet eine alte Aluminiumdose den Körper eines Mannes oder eine Steckdose den Unterleib einer Frau. So vermischt sich hier die dunkle Vergangenheit mit moderner Krea­tivität.

Farbige Fischerstadt

Nebst Dakar gibt es weitere interessante Städte im Senegal zu besuchen. Im Norden des Landes, fast an der Grenze zu Mauretanien, befindet sich Saint-Louis, die damalige Hauptstadt von Französisch-Westafrika. Die Stadt befindet sich auf einer Insel und trägt auch den Übernamen «Venedig Afrikas». Das Stadtbild Saint-Louis’ unterscheidet sich sehr vom modernen Dakar und ändert zudem je nach Stadtteil seinen Charakter: Das reiche ehemalige Kolonialviertel im Süden bildet einen starken Kontrast zum armen Wellblechhütten-quartier im Norden.

Einen Einblick in diese Kontraste erhält man bei einer Rundfahrt mit einer Kutsche. Die Tour führt durch bunte Quartiere, wo Ziegen zwischen aufgehängter Wäsche und spielenden Kinder bummeln, durch den lebendigen Hafen, wo Fischer ihren Tagesfang aufhäufen und Frauen die Fische gleich vor Ort ausnehmen, durch die engen Gassen der alten Kolonialquartiere, dessen Häuser am Verfallen sind.

Populäre Attraktionen

Weit touristischer als Dakar und Saint-Louis ist die Stadt M’bour an der Küste, 70 Kilometer südlich von Dakar. Diese Stadt eignet sich bestens als Ausgangspunkt, von hier erreicht man in ein bis zwei Autostunden die populärsten Attraktionen und Sehenswürdigkeiten Senegals wie das Naturreservat Bandia für Safaris, die Wüste Lompoul für Dromedartrekking und Übernachtungen im Zelt oder der Muschelinsel Joal-Fadiouth.

Die bekannteste Attraktion ist der Retba-See, auch Lac Rose genannt. Je nach Sonneneinstrahlung und Jahreszeit schimmert das Wasser tatsächlich rosafarben. Dies hat mit dem hohen Salzgehalt des Sees zu tun. In der Tat werden hier pro Jahr 60'000 Tonnen Salz gewonnen. Am Ufer kann man den Arbeitern zuschauen, wie sie auf kleinen Booten riesige Salzhaufen aus dem See bringen. Bekannt ist der See auch deshalb, weil er das Endziel der Rallye Paris–Dakar war.

Eine abenteuerliche Weise, den See und die Umgebung zu erkunden, ist mittels Quads, den kleinen Geländefahrzeugen. Die Tour dauert ungefähr eine Stunde und führt den See entlang weiter über Sanddünen, später der Atlantikküste entlang und zurück durch einen kleinen Wald.

Allein die rasante Fahrt mit den Quads ist ein spassiges Erlebnis, aber auch die Zwischenhalte mit Erklärungen des Guides sind sehr interessant. Alternativ werden auch Touren mit Pferd oder Dromedar angeboten, dabei sieht man zwar bedeutend weniger von der Umgebung, schont aber sein ökologisches Gewissen.

Berner Zeitung

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