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Der Schweizer Filmpreis wird 20

Vom Branchenplausch zur Black-Tie-Gala: Der Schweizer Filmpreis hat eine erstaunliche Entwicklung ­hinter sich. Dennoch bleiben Sorgen und Fragezeichen.

Jacob Berger und Aude Py («Un juif pour l’exemple») mit ihren Nominationsurkunden für den besten Spielfilm 2017.
Jacob Berger und Aude Py («Un juif pour l’exemple») mit ihren Nominationsurkunden für den besten Spielfilm 2017.
Keystone

Das Filmduell ist lanciert: «Ma vie de Courgette» und «Die göttliche Ordnung» heissen die aussichtsreichsten Anwärter auf den diesjährigen Schweizer Filmpreis. Das ist gut so. Der Westschweizer Animationsfilm mit Oscarnomination sowie die Deutschschweizer Komödie um die Einführung des Frauenstimmrechts haben in ihren Stammregionen tolle Kinoeintrittszahlen erzielt.

Als der Schweizer Filmpreis 1998 während der Solothurner Filmtage lanciert wurde, sollte er genau das bewirken – dem heimischen Kinoschaffen zu Breitenwirksamkeit verhelfen. Gelungen ist das im Lauf der Zeit aber nur bedingt: Sowohl die einstigen ­Nominationskommissionen als auch die seit 2009 zuständige Filmakademie taten sich oft schwer mit leichten Stoffen. Kassenschlager wie «Die Herbstzeitlosen» (2006), «Heidi» (2015) oder «Schellen-Ursli» (2015) gingen bei den Nominationen zum besten Spielfilm leer aus.

Anlass zur Sorge geben auch Ort und Zeitpunkt der Veranstaltung: Nach unbekümmerten Anfängen in Solothurn wechselte man 2009 nach Luzern, die Verleihung wurde in den März verschoben, während eine neu geschaffene Nacht der Nominationen den Filmtagen erhalten blieb. Das Problem: Im März sind alle relevanten Jahresauszeichnungen (inklusive Oscars) längst vergeben, die Rückschau kommt zu spät.

Auch das aktuelle Ortskonzept überzeugt nur bedingt: Seit 2013 werden die Quartze abwechselnd an schicken Galas in Genf und in Zürich verliehen. Dies soll den Austausch zwischen Deutsch- und Westschweiz fördern. Die Realität sieht jedoch oft so aus, dass kaum Filmschaffende aus Zürich nach Genf pilgern (es sei denn, sie sind nominiert oder müssen repräsentieren).

Umgekehrt gilt das Gleiche. Vielleicht sollte man da wieder mal an die Worte von Alexander Tschäppät denken: «Wir wären gute Gast­geber für den Schweizer Filmpreis», sagte der ehemalige Berner Stadtpräsident 2007. Seither hat sich einiges getan: Das Berner Filmschaffen erlebte eine Renaissance und sorgt inzwischen mit Filmen wie «Heimatland» für Furore. Was gleich geblieben ist, ist die Wegstrecke nach Bern; die wäre für Zürcher und Genfer Filmschaffende immer noch fast gleich lang.

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