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Marion Cotillard liegt einmal mehr charmant daneben

Die französische Schauspielerin Marion Cotillard beherrscht es, das Publikum zu verzaubern. Leider wirkt das oft eindimensional, so wie aktuell in «Mal de Pierres».

Leider nur hinreissend: Marion Cotillard in «Mal de Pierres».
Leider nur hinreissend: Marion Cotillard in «Mal de Pierres».
zvg

«Nierensteine» lautet die Diagnose, mit der die junge Französin Gabrielle in den 1950er-Jahren in Nicole Garcias Romanverfilmung «Mal de Pierres» zur Kur in die Alpen geschickt wird.

Diese «bösen Steine» (so der französische Filmtitel) symbolisieren Gabrielles unbändige Natur, ihr zehrendes, hartnäckiges Begehren, das ihre Mutter für «krank» hält, und ihr auch der eilends verschrie­bene Ehemann – ein gutmütiger Saisonarbeiter (Alex Brendemühl), der aus Franco-Spanien geflohen ist – nicht austreiben kann.

In der an Thomas Manns «Zauberberg» erinnernden Klinik flammt Gabrielles Sehnsucht ungezügelt auf, als sie sich mit dem melancholischen, sterbenskranken Offizier André (Louis Garrel) in einer leidenschaftlichen Amour fou verliert.

Cotillard. Wer sonst?

Wer sonst, dachte sich Regisseurin Garcia wohl, könnte diese Ausgeburt der Sinnlichkeit besser verkörpern als Marion Cotillard? Und ziemlich sicher dürfte es der schönen Französin gelingen, mit ihrer verführerischen Leinwandpräsenz weite Teile des Publikums zu verzaubern.

Alles, was sie dafür tun muss, ist, lebenshungrig dreinzuschauen, lustvoll zu stöhnen und sich leicht bekleidet auf dem Bett zu räkeln. Gequält von der dörflichen Alltagsenge, darf sie hin und wieder noch schlecht gelaunt die Augen zusammenkneifen. Das alles erledigt sie hinreissend charmant. Aus ihrer eindimensional angelegten Rolle kann sie sich damit aber nicht freispielen.

Zu oft liess sich die die 41-jäh­rige Oscarpreisträgerin («La ­môme») zuletzt auf das nostalgisch weichgezeichnete Image der lasziv Geheimnisvollen festlegen; wie etwa in Robert Zemeckis’ Agentenromanze «Allied». Zu oft lag sie bei der Auswahl ihrer Rollen daneben. In Xavier Dolans ­Familiendrama «Juste la fin du monde» überspielt sie ihren Part der verständnisvollen, verunsicherten Schwägerin.

Trivial und schlecht gespielt

Und in Justin Kurzels mediokrem Actionstreifen «Assasin’s Creed» wirkt sie mitunter derart deplatziert, dass man sich fast an ihre Sterbeszene aus Christopher Nolans «The Dark Knight Rises» erinnert fühlt, die zweifelhaften Kultstatus erlangte, weil sie so fürchterlich trivial inszeniert und schlecht gespielt war.

Einfach gestrickt ist schwer

Gerade mit einfach gestrickten Figuren tut sich Cotillard erstaunlich schwer. Es ist, als wisse sie dann nicht, wohin mit ihrer Spielwut, ihrem Ausdruckswillen. Als fühle sie sich nicht wohl.

Gibt man ihr jedoch einen glaubhaften, vielschichtigen Charakter an die Hand wie die Brüder Dardenne in «Deux jours, une ­nuit», kann sie endlich zeigen, was in ihr steckt. Und das ist viel mehr, als «Mal de Pierres» vermuten liesse.

«Mal de pierres»:Der Film läuft im Kino.

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