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«Ich will mein Schreiben kennen lernen»

Zehn Jahre nach der Gründung ist das Schweizerische Literaturinstitut eine feste Grösse in der Schweizer Literaturlandschaft. Im Zentrum der Ausbildung steht das Mentorat. Worum geht es dabei? Ein Besuch in Biel.

Anne-Sophie Scholl
Eingespieltes Team: Maria Ursprung mit Silvio Huonder vor dem Literaturinstitut in Biel.
Eingespieltes Team: Maria Ursprung mit Silvio Huonder vor dem Literaturinstitut in Biel.
Enrique Muñoz García
Michelle Steinbeck (26) ist mit ihrem Debüt «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch» für den Schweizer Buchpreis 2016 nominiert. Das Buch polemisiert mit starken Bildern und phantastischen Blüten. «Das Prägendste war die Arbeit mit meinem Mentor Michael Stauffer. Einmal zerriss er meine sorgfältig arrangierten Seiten und wedelte sie über dem Kopf. Ich verstand, dass er mir damit Cut-up veranschaulichen wollte. Er war es auch, der mir sagte, es müsse nicht alles 'wahr' sein.»
Michelle Steinbeck (26) ist mit ihrem Debüt «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch» für den Schweizer Buchpreis 2016 nominiert. Das Buch polemisiert mit starken Bildern und phantastischen Blüten. «Das Prägendste war die Arbeit mit meinem Mentor Michael Stauffer. Einmal zerriss er meine sorgfältig arrangierten Seiten und wedelte sie über dem Kopf. Ich verstand, dass er mir damit Cut-up veranschaulichen wollte. Er war es auch, der mir sagte, es müsse nicht alles 'wahr' sein.»
Keystone
Arno Camenisch (38) weckte grosse Aufmerksamkeit mit seiner Bündner Trilogie «Sez Ner», «Hinter dem Bahnhof» und «Ustrinkata», das mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet wurde und im Stadttheater Bern auf die Bühne kam. «Es geht darum, seine eigene Stimme zu entwickeln, und herauszufinden, was die eigenen Themen sind. In diesem Prozess findet man in der Rolle vom Mentor einen Gesprächspartner, der einem auch den nötigen Widerstand leistet. Diese individuelle Ausrichtung vom Studium war besonders wichtig.»
Arno Camenisch (38) weckte grosse Aufmerksamkeit mit seiner Bündner Trilogie «Sez Ner», «Hinter dem Bahnhof» und «Ustrinkata», das mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet wurde und im Stadttheater Bern auf die Bühne kam. «Es geht darum, seine eigene Stimme zu entwickeln, und herauszufinden, was die eigenen Themen sind. In diesem Prozess findet man in der Rolle vom Mentor einen Gesprächspartner, der einem auch den nötigen Widerstand leistet. Diese individuelle Ausrichtung vom Studium war besonders wichtig.»
David Baer
Dorothee Elmiger (31), gewann mehrere Preise für ihr Debüt «Einladung an die Waghalsigen» und für den Zweitling «Schlafgänger», beide waren für den Schweizer Buchpreis nominiert, «Schlafgänger» erhielt einen Schweizer Literaturpreis 2015. «Wichtig war für mich die Möglichkeit, dem Schreiben drei Jahre lang so viel Platz einzuräumen. Die Vorstellung, ich würde das Institut als Schriftstellerin verlassen, hatte ich aber nicht – es kann oder soll in Biel nicht um mehr gehen, als darum, genau zu lesen, nachzudenken, Gespräche zu führen und weiterzuschreiben.»
Dorothee Elmiger (31), gewann mehrere Preise für ihr Debüt «Einladung an die Waghalsigen» und für den Zweitling «Schlafgänger», beide waren für den Schweizer Buchpreis nominiert, «Schlafgänger» erhielt einen Schweizer Literaturpreis 2015. «Wichtig war für mich die Möglichkeit, dem Schreiben drei Jahre lang so viel Platz einzuräumen. Die Vorstellung, ich würde das Institut als Schriftstellerin verlassen, hatte ich aber nicht – es kann oder soll in Biel nicht um mehr gehen, als darum, genau zu lesen, nachzudenken, Gespräche zu führen und weiterzuschreiben.»
Keystone
Matthias Nawrat (37) hat drei Romane publiziert, mit seinem Zweitling wechselte er zum grossen deutschen Verlag Rowohlt. «Unternehmer» gewann den Kelag-Preis beim Bachmann-Wettlesen 2012 und stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014. «Ich habe gesehen, was man mit Sprache alles machen kann und habe mich getraut, auch selbst viel mehr auszuprobieren. Außerdem habe ich gelernt, kritischer zu lesen. Grössenwahn und Selbstkritik sind sehr wichtig, und beides konnte sich sehr gut entfalten.»
Matthias Nawrat (37) hat drei Romane publiziert, mit seinem Zweitling wechselte er zum grossen deutschen Verlag Rowohlt. «Unternehmer» gewann den Kelag-Preis beim Bachmann-Wettlesen 2012 und stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2014. «Ich habe gesehen, was man mit Sprache alles machen kann und habe mich getraut, auch selbst viel mehr auszuprobieren. Außerdem habe ich gelernt, kritischer zu lesen. Grössenwahn und Selbstkritik sind sehr wichtig, und beides konnte sich sehr gut entfalten.»
Wikimedia
Heinz Helle (38) konnte sein Debüt «Der beruhigende Klang von Kerosin» bei Suhrkamp publizieren, dem renommiertesten Buchverlag Deutschlands. Mit seinem zweiten Roman kam Helle auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2015. «In Biel war es nicht mehr die Spielerei des Werbetexters, der nach Feierabend davon träumt, Schriftsteller zu werden, sondern da gab es Leute, die sagten: Das ist Literatur. Mach mehr davon. Diese Legitimation war für mich sehr wichtig, um meine Arbeit ernst nehmen zu können.»
Heinz Helle (38) konnte sein Debüt «Der beruhigende Klang von Kerosin» bei Suhrkamp publizieren, dem renommiertesten Buchverlag Deutschlands. Mit seinem zweiten Roman kam Helle auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2015. «In Biel war es nicht mehr die Spielerei des Werbetexters, der nach Feierabend davon träumt, Schriftsteller zu werden, sondern da gab es Leute, die sagten: Das ist Literatur. Mach mehr davon. Diese Legitimation war für mich sehr wichtig, um meine Arbeit ernst nehmen zu können.»
Wikimedia
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«Da muss ich widersprechen», sagt Maria Ursprung. Sie sei keine untypische Studentin am Schweizerischen Literaturinstitut. Als sie 2014 ihr Bachelorstudium in Biel begann, hatte sie schon einen beachtlichen Leistungsausweis im Kulturbetrieb.

Sie hat am Schauspielhaus Basel assistiert und am Thalia-Theater Hamburg erste Inszenierungen realisiert, in Bern brachte sie das Stück «Ustrinkata» von Arno Camenisch zur Uraufführung, 2012 wurde sie vom Kanton Solothurn mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Etwa die Hälfte der Studierenden in Biel brächten berufliche Erfahrungen auf einem ­anderen Gebiet mit, sagt die 31-Jährige.

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