Kunst, die nach Frühling duftet

Gemälde, interpretiert mit Blüten, Gräsern und Wurzeln: Für «Blumen für die Kunst» kreieren Floristinnen und Floristen ­Installationen im Aargauer Kunsthaus – etwa das solothurnisch-bernische Duo Heidi Bisang und Anna Heuer.

Feinschliff an der floralen Installation: Heidi Bisang (53, l.) mit Anna Heuer (25) vor der interpretierten Fotoarbeit von Thomas Flechtner.

Feinschliff an der floralen Installation: Heidi Bisang (53, l.) mit Anna Heuer (25) vor der interpretierten Fotoarbeit von Thomas Flechtner.

(Bild: Alexander Wagner)

Stefanie Christ@steffiinthesky

Eine Hyazinthe nach der anderen befestigen Heidi Bisang und ­Anna Heuer mit dünnem Draht am Ästegeflecht. Dieses steckt in einem Metallkonstrukt und bildet einen ungestümen Kontrast zum streng geometrischen Rahmen. Die 300 Blumen, verteilt auf zwei solche Metallrahmen, ver­fügen noch über Zwiebeln und Wurzeln, damit sie möglichst viel Wasser speichern können. Eine Bewässerung ist im Ausstellungsraum aus konservatorischen Gründen nicht gestattet.

Stattdessen müssen die Solothurner Blumengestalterin Bisang und ihre Berner Mitarbeiterin Heuer Abend für Abend die Rahmen ­hinaustragen, die Hyazinthen bewässern und mit Plastikplanen abdecken. Die Knospen werden während der sechs Ausstellungstage blühen, bereits vorhandene lila Blüten absterben. «Dieser Kreislauf gehört dazu», sagt Bisang – und blickt zum Fotoprint des Winterthurer Künstlers Thomas Flechtner.

Einzigartig

«Higashi-Mokoto» von 2004 zeigt einen japanischen, geome­trisch angelegten Blumenpark voller lila Blüten. Bisang und Heuer von der Solothurner Blumenbinderei Flores haben die Fotoarbeit vor einem Monat ausgewählt und nun für die vierte Ausgabe von «Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus interpretiert. Die Idee sei über Nacht da gewesen, erzählt Bisang. «Erst wollten wir die Rahmen von der Decke hängen lassen. Das hätte aber vom Gewicht her nicht funktioniert.»

17 weitere Blumengestalterinnen und -gestalter aus der ganzen Schweiz übersetzen Bilder von Cuno Amiet, Annelies Štrba oder Franz Gertsch in Blüten, Gräser oder Wurzeln. Entstanden ist die Ausstellungsreihe in Zusammenarbeit mit dem Verein Flowers to Art, der verschiedene Projekte an der Schnittstelle zwischen Floristik und Kunst realisiert. «Die Ausstellung ist einzigartig, ein ähnliches Projekt ist uns nur von San Francisco ­bekannt», so Kunsthaus-Sprecherin Filomena Colecchia.

Verspielt bis poetisch

Für diese spezielle Ausstellung sind auch die Konservatoren mit nicht alltäglichen Herausforderungen konfrontiert. So musste gestern Morgen während der grossen Anlieferung Blume für Blume auf Erdreste, Schimmelpilz und Insekten kontrolliert werden. Abgewiesen wurde keine von Bisangs und Heuers Hyazinthen. «Wir haben zuvor alle Knollen zweimal ausgewaschen», so Heuer. Sechs Stunden benötigten sie, um alle Blumen anzubringen – die Zeit, die sie fürs Verschrauben der Äste brauchten, nicht mitgerechnet.

Während die beiden Floristinnen letzte Änderungen vornehmen, hier noch ein Ästchen abschneiden oder eine Blüte richten, verbreitet sich ein frühlingshafter Duft im Raum. Er zieht sich durchs ganze Museum, in dem nun eine Blumeninstallation nach der anderen fertiggestellt wird. Philipp von Arx und Angela Kaspar aus Olten interpretieren ein expressionistisches Gemälde von John M. Armleder mit einem riesigen, dynamischen Gesteck aus farbintensiven, teils pink gesprayten Blüten und Zweigen. Paul Fleischli und Flavia Rutishauser aus Zürich beziehen sich auf eine Ballszene in Öl von Willy Guggenheim und türmen Champagnergläser, weisse Blüten und Lichterketten zu einer glamourösen Pyramide auf.

Die Gegenüberstellungen sind mal spielerisch, mal poetisch, immer fruchtbar, und sie ermög­lichen einen neuen, frischen Zugang zu den Werken der Kunsthaus-Sammlung. Angefragt wurden die Mitmachenden vom Verein Flowers to Art. Für Bisang «eine wunderbare Gelegenheit, den Menschen zu zeigen, dass wir mehr machen als Blumensträusse binden».

«Blumen für die Kunst»: 7. bis 12. März, Aargauer Kunsthaus.

Berner Zeitung

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