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Das entsteht aus Emmentaler Flachs

Die Firma Swiss Flax in Sumiswald verarbeitet seit 2014 Schweizer Flachs zu Leinengarn und vermittelt es an lokale Hersteller. Nun wurde die Firma mit dem Schweizer Designpreis ausgezeichnet.

Flachsernte in Willadingen, Emmental. (Archivbild)
Flachsernte in Willadingen, Emmental. (Archivbild)
Marcel Bieri

Flachs blüht im Sommer leuchtend blau, aus Flachs können Leinsamen und Leinenfasern gewonnen werden. Laut Sprach­forschern könnte auch der Ausdruck «Fahrt ins Blaue» auf die früher sehr verbreiteten Flachsfelder zurückzuführen sein. Mit dem Aufkommen der Baum­wolle wurde der Anbau hierzulande nahezu eingestellt. Bis Swiss Flax in die Bresche sprang.

2014 verarbeitete die Sumiswalder Firma den im Emmental angebauten Flachs zu 200 Kilogramm Leinengarn. 2019 waren es bereits drei Tonnen. Nun wurde die Firma, die ein Bindeglied zwischen den lokalen Bauern und dem Leinenmarkt ist, mit einem Schweizer Designpreis ausgezeichnet.

Kein Wunder: In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und lokale Produktion angesagt sind, liegt Schweizer Flachs voll im Trend. Kleiner Schönheitsfehler: Mangels Alternativen werden die Fasern in Holland gebrochen und in Polen gesponnen. Laut Geschäftsführer Hans Haslebacher sucht Swiss Flax auch hier nach lokalen Lösungen.

Oberteile aus Huttwil

Bild: PD
Bild: PD

«Steif wie ein Bock» seien die ungefärbten Pullis, sagt Paul Krähenbühl, Chef der Textil AG in Huttwil. Er verarbeitet in seiner Flachsstrickerei den zu Leinengarn gesponnenen Emmentaler Flachs zu Pullovern und Shirts. Und gibt die Kleidungsstücke dann weiter an die Firma Colora in Huttwil.

In der Textilmanufaktur werden die Pullover stückgefärbt. Durchs Färben erhalten sie eine weichere Textur. So entstehen Einzelstücke, die sich angenehm auf der Haut anfühlen und einen Hauch von Exklusivität versprühen. Colora verkauft die Produkte in seinen Boutiquen in der ganzen Schweiz, so auch in Langenthal (Schulhausstrasse 4) und Köniz (Landorfstrasse 7).

Vorhänge – ganz natürlich

Bild: PD
Bild: PD

Es gibt auch Vorhänge aus Emmentaler Flachs. Pfister Vorhang Service bezieht seit 2017 das von Swiss Flax produzierte Material und führt Vorhänge im Naturton aus Schweizer Leinen im Sortiment.

«Auf diese Weise leisten wir einen Beitrag dazu, dieses Traditionsmaterial und Swiss Flax zu fördern», sagt Merja Spring, Managerin bei der Pfister Vorhang Service AG. Gewoben werden die Vorhänge bei Création Baumann in Langenthal, genäht werden sie im Nähatelier von Pfister in Thörishaus.

Pullis mit Erfolg

Bild: Daniel Spehr/PD
Bild: Daniel Spehr/PD

Unter dem Namen Erfolg Label AG produziert die Designerin Sandrine Voegelin hochwertige Kleidungsstücke. Seit gut drei Jahren arbeitet sie mit Swiss Flax zusammen. Im August 2016 entstanden die ersten Modelle aus 100 Prozent Schweizer Leinen. «Flachs ist eine bockige Bast­faser, dessen Kapriolen sorg­fältig erprobt werden mussten», sagt Voeglin, darum habe man zuerst auch nur einen Testballon steigen lassen.

Nach einem Jahr, im Frühjahr 2017, brachte die Erfolg Label AG die erste Schweizer-Leinen-Kollektion in die Shops. Sie sei stolz, auf die «ökologisch sinnvolle Kollektion, die ganz in der Schweiz hergestellt wird», sagt Voegelin. Erfolg Label produziert in Bichelsee TG, das Label hat verschiedene Shops in der Schweiz, so auch einen in Bern (Gerechtigkeitsgasse 53).

Küchentücher aus dem Toggenburg

Bild: Nicole Philipp
Bild: Nicole Philipp

Lieblich sehen sie aus, die Küchentücher aus Leinen mit dem aufgestickten Emmentaler Scherenschnitt, ein perfektes Souvenir – oder Weihnachtsgeschenk. «Wir sind der einzige Küchen­wäscheproduzent der Schweiz», sagt Hans Hauser, Inhaber der Rigotex AG im toggenburgischen Bütschwil, stolz. Swiss made sei bei seiner Firma das A und 0 – und deshalb eine Zusammenarbeit mit Swiss Flax selbstverständlich.

Rigotex stellt die Leinentücher aus Schweizer Flachs in zwei verschiedenen Designs her: einerseits mit dem aufgestickten Scherenschnitt, andererseits im klassischen karierten Design, Hauser nennt es das «Kult-Tüechli», mit dem wir Küchentücher seit unserer Kindheit assozieren. Verkauft werden sie in ausgewählten Läden in der ganzen Schweiz, unter anderem im Berner Warenhaus Loeb.

Tischwäsche aus Burgdorf

Bild: PD
Bild: PD

Die Schwob AG in Burgdorf ist eine alteingesessene Weberei. «Seit 150 Jahren wird hier schon Leinen gewoben», sagt Geschäftsleiter Stephan Hirt. Darum war die Firma auch von Anfang an am Emmentaler Flachs interessiert, hatte sie doch schon mit einem eigenen Flachsfeld experimentiert. Die Schwob AG stellt vor allem Tisch- sowie Bett- und Frottierwäsche für den Hotellerie- und Gastronomiebereich her, wo sie auch Leinen verwendet.

«Ein Tischset aus Leinen kann man Hunderte Male waschen, es bleibt immer gleich», lobt Hirt. Im Fabrikladen an der Kirchbergstrasse 23 in Burgdorf können Privatkundinnen und -kunden Servietten oder Bett­wäsche aus Leinen einkaufen. Eine Weberei in Niederurnen hat die Firma zudem beraten, wie man Schwinghosen aus Schweizer Leinen herstellen kann.

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