Wird Brustkrebs bald heilbar?

Brustkrebs ist die zweithäufigste Tumorart in der Schweiz. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Bei der Behandlung hat die Medizin grosse Fortschritte gemacht. Diesen Samstag öffnet das Brustzentrum am Berner Inselspital seine Türen.

Röngtgenuntersuchungen der Brust bieten die Möglichkeit, Brustkrebs frühzeitig zu entdecken. (Symbolbild)

Röngtgenuntersuchungen der Brust bieten die Möglichkeit, Brustkrebs frühzeitig zu entdecken. (Symbolbild)

(Bild: zvg)

Frau Knabben*, die Überlebenschancen für Brustkrebspatientinnen an Spezialzentren wie dem am Inselspital liegen heute bei über 90 Prozent. Dennoch sterben in der Schweiz immer noch jedes Jahr 1400 Frauen an der Krankheit. Die Gründe?Laura Knabben: Das lässt sich nicht so leicht beantworten. Einerseits gibt es grosse Unterschiede, was die Aggressivität des Krebses betrifft. Bestimmte Tumoren haben eher eine Tendenz, Ableger zu bilden, was die Therapie erschwert. Andererseits gibt es auch immer noch Patientinnen, die zu spät einen Arzt konsultieren.

Früherkennung ist auch beim Brustkrebs entscheidend?Auf jeden Fall! Sie ist immer noch das beste Mittel im Kampf gegen den Krebs. Seit Anfang 2014 wird das Brustkrebs-Screening im Kanton Bern für Frauen ab 50 ja alle zwei Jahre von der Krankenkasse übernommen. Ein wichtiger Schritt dafür, die Sterblichkeit zu senken.

Obwohl die Mammografie, also die Röntgenuntersuchung der Brust, auch kontrovers diskutiert wird.Ja. Aber nach internationaler Studienlage ist der Nutzen nachweislich höher als ein möglicher Schaden durch unnötige Eingriffe, Therapien oder gar durch die Strahlung. Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser die Heilungschancen – das ist heute unbestritten.

Welche Rolle spielt die Vererbung?Sie spielt beim Brustkrebs durchaus eine Rolle. Beinahe jeder zehnte Brustkrebsfall ist genetisch bedingt. Zur Veranschaulichung: Eine erblich unbelastete Frau hat ein Risiko von 12 Prozent, in ihrem Leben an Brustkrebs zu erkranken. Eine Frau mit dem «Brustkrebs-Gen» dagegen eines von 80 Prozent. Trägerinnen dieses Gens haben also ein extrem erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Dann ist für Frauen, in deren Verwandtschaft gehäuft Brustkrebsfälle vorkommen, ein Gen-test sinnvoll?Nicht unbedingt. In solchen Fällen empfehlen wir zuerst einmal eine eingehende genetische Beratung. Danach kann die Frau ­immer noch selbst entscheiden, ob sie den Test machen will mit all seinen möglichen Konse­quenzen.

Und die wären?Engmaschige Vorsorgeunter­suchungen, das heisst Magnetresonanztomografien, sogenannte MRT, und Mammografien bereits ab dem Alter von 25 Jahren und eventuell eine vorbeugende Operation.

Also Brustentfernung?Nein. Die ganze Brust wird dabei nicht entfernt, sondern nur das Brustdrüsengewebe. Die Haut bleibt erhalten, sodass ein Wiederaufbau zum Beispiel mit einer Prothese durchgeführt werden kann. Aber wie gesagt, das betrifft nur Trägerinnen des gefähr­lichen «Brustkrebs-Gens». Und auch bei ihnen ist es nicht immer angezeigt.

Was glauben Sie: Wird Brustkrebs einmal zu 100 Prozent heilbar?Heilbar ist ein grosses Wort bei Krebs. Ich sage es lieber so: Die Chancen sind gross, dass es uns gelingt, in Zukunft die meisten Brustkrebsformen unter Kontrolle zu bringen.

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