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Bern fehlt die Zug-Kraft

«Schon wieder hat ein international tätiges Unternehmen entschieden, sich aus der Stadt Bern zurückzuziehen.»

Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät interpretiert diesen Schritt mit dem typischen Klischee eines Sozialisten: Ein Unternehmen maximiert auf dem Buckel seiner Mitarbeiter den Gewinn. Mit solchen Interpretationen mag Tschäppät vielleicht Wählerstimmen gewinnen. Aber er zielt am Kern der Sache vorbei. Der Entscheid von Novartis führt den Behörden von Stadt und Kanton einmal mehr vor Augen, dass der Kanton Bern als Wirtschaftsstandort höchstens zweitklassig ist.

Es ist nachvollziehbar, dass Novartis seine Verkaufsorganisation für die Schweiz an einem Ort zentralisieren will. Und dabei hat Bern den Kürzeren gezogen. Wie der Novartis-Schweiz-Chef sagt, weil es im Raum Zug-Zürich einfacher sei, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Dieses Argument tut Tschäppät als wenig glaubwürdig ab. Doch es ist stichhaltig. Der Kanton Zug hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum für Verkaufsaktivitäten von Pharmafirmen entwickelt. In der Folge ist ein grosser Pool von Mitarbeitern entstanden, die in diesem Bereich über eine grosse Erfahrung verfügen. Zug-Kraft im wahrsten Sinne des Wortes. Daneben dürften für Novartis auch steuerliche Gründe eine Rolle gespielt haben. Diesbezüglich ist der Kanton Zug bekanntlich spitze.

Der Kanton Bern kann indes den Kanton Zug nicht einfach kopieren. Zug hat aufgrund seiner Kleinheit und seiner Nähe zu Zürich eine andere Ausgangslage. Aber das Beispiel Zug zeigt, dass eine wirtschaftsfreundliche Politik über kurz oder lang Früchte trägt. Und dass mit der Zeit eine Eigendynamik entsteht. Wirtschaftsfreundlichkeit beginnt im Übrigen schon bei der Wortwahl. Ein Stadtpräsident, der ein wegziehendes Unternehmen als Gewinnmaximierer beschimpft, entlarvt sich als höchst unfähigen Wirtschaftsförderer.

stefan.schnyder@bernerzeitung.ch

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