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Die Stunde der Pragmatiker

«Kompetenz ist ein Kriterium für Obamas bisherige Personalentscheidungen. Die Zeit der Ideologen ist vorbei. Das ist ein Wechsel, an den wir glauben können.»

Barack Obama­ übernimmt das Steuer in den USA offiziell zwar erst in knapp zwei Monaten, doch die Hoffnung auf Besserung ist bereits mit Händen zu greifen. Und an den steigenden Börsenkursen abzulesen.

Bis Obamas Impulsprogramm wirkt, wird noch einige Zeit vergehen. Aber Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun, und allein zu wissen, dass es kommen wird, hilft den Märkten und den Menschen, wieder etwas Vertrauen zu fassen. Der designierte Präsident hat bei seiner Personalauswahl bisher Pragmatismus gezeigt. Er hat damit die Hoffnungen vieler Anhänger erfllt und die Befürchtungen seiner Gegner zerstreut, er könnte wirtschaftspolitisch einen prononciert linken Kurs fahren. Die Ernennungen des New Yorker Notenbankchefs Timothy Geithner als Finanzminister und von Lawrence Summers als Chef seines Wirtschaftsrats bestätigen diesen Kurs. Sie stehen zugleich für Erfahrung und frische Ideen – im Fall von Geithner auch für Kontinuität, da er schon seit Monaten alle Entscheide der aktuellen Administration zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise mittärgt.

Allerdings hat Obama mit Summers jemanden an Bord geholt, der aufbrausend sein kann und gelegentlich zu Egotrips neigt – dieses Risiko scheint er in Kauf zu nehmen angesichts der ökonomischen Kompetenz des ehemaligen Clinton-Finanzministers.

Kompetenz ist ein weiteres klares Kriterium für Obamas bisherige Personalentscheidungen, wie auch die gestrige Ernennung der beiden ausgewiesenen­ Ökonominnen Christina Romer und Melody Barnes für wichtige Positionen illustriert. Anders als sein Vorgänger scheut Obama nicht davor zurück, sich mit starken Köpfen zu umgeben. Mit Machern, die mitdenken und mitdiskutieren – und die nicht einfach die im kleinen Kreis beschlossene Politik ausführen, die bestimmte Interessengruppen bevorzugt.

Die Zeit der Ideologen ist vorbei. Das ist ein Wechsel, an den wir glauben können, um Obamas Wahlslogan zu zitieren. Jedoch: Das Ausmass der Krise ist enorm. Ob die klugen Köpfe ihr gewachsen sind, müssen sie – bei aller Hoffnung – erst noch unter Beweis stellen.

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