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Marcel Ospel - kein Problem

Marcel Ospel versucht sich wieder in die Gesellschaft zurückzukaufen.

Die Symbole der Macht sind in der Schweiz zivil: Auf dem Gipfel seiner Herrschaft leistete es sich der Bankier Marcel Ospel, ohne Krawatte ins Büro zu gehen. Und er durfte in der UBS als Einziger überall rauchen. So sind auch die Folgen der Ächtung zivil: Seit seinem Sturz ist Ospel in seinem Stammlokal, der Kronenhalle, unwillkommener Gast. Nun versucht Ospel, sich wieder in die Gesellschaft zurückzukaufen: Er zahlt mit zwei seiner Topmanager 33 Millionen Franken Boni zurück.

Das ist auch nötig. Denn Ospels Bilanz ist schlimm: Die UBS musste 40 Milliarden abschreiben, der Staat musste das Risiko für 68 Milliarden Schrottpapiere übernehmen. Aber es wäre ein schwerer Fehler, Ospel allein verantwortlich zu machen. Denn die UBS tat nur das, was fast alle grossen Banken weltweit taten: Sie investierten mit riesigen Mengen an Fremdkapital in die Finanzblase. Die Folgen waren zunächst grosse Gewinne, dann schreckliche Verluste. Herrn Ospels persönliche Schuld besteht nicht darin, dass er ein raffinierter Betrüger war, sondern Teil einer blinden Herde. Also kein gefährlicher Wolf, sondern ein gefährliches Schaf.

Das ist keine gute Nachricht. Denn Ospel ist nicht das wirkliche Problem - auch nicht seine Boni. Sondern das ganze System. Seit über 20 Jahren ist die Finanzbranche die tonangebende Industrie: Hier werden die grossen Profite gemacht, die grosse Politik - und die grossen Crashs. Der letzte ist derart bedrohlich, dass er die halbe Welt ärmer macht. Das heisst, wir haben echte Probleme: Zunächst die Frage, wie man das Desaster aufräumt. Welche Rettungspakete brauchen wir? Welche Regulierungen?

Und danach: Wie verteilen wir die Karten neu? Wer soll nun Wirtschaft und Politik antreiben? Setzen wir auf mehr Staat und Reichtumssteuern wie einst Roosevelt? Auf einen Boom grüner Technologien wie Obama? Auf dasselbe wie heute? Auf Neues wie eine Freizeitgesellschaft? Die echte Frage in jeder grossen Krise ist, in welcher Welt man leben will.

Dagegen ist Herr Ospel harmlos. Man sollte ihn in Frieden in der Kronenhalle essen lassen.

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