Mieter schlagen Profit aus städtischen Wohnungen

Zwei Studenten wurden von einer Frau, die eine Zürcher Stadtwohnung weitervermietet hat, übers Ohr gehauen. Ein dreister Fall, der jedoch kein einzelner ist.

Zentral gelegen: Die Wohnung an der Mühlegasse 31 im Zürcher Niederdorf.

Zentral gelegen: Die Wohnung an der Mühlegasse 31 im Zürcher Niederdorf.

(Bild: Screenshot: Google Maps)

Wohnen in Zürich und anderen grossen Schweizer Städten ist teuer, doch manche Mieter und Vermieter kommen mit Tricks wieder zu Geld. Die «NZZ» machte einen besonders dreisten Fall publik. Es geht um eine Dreizimmerwohnung an der Mühlegasse 31 im Zürcher Niederdorf. Zwei Studenten wollten sie für 1825 Franken im Monat mieten. Ein vergleichsweise anständiger Preis – auf den ersten Blick zumindest.

Beim Einzug fielen den beiden jedoch diverse Mängel auf: Schimmel, kaputtes Mobiliar, verschmierte Wände und sogar fehlende Zimmertüren. Die Hauptmieterin machte jedoch keinerlei Anstalten, die Mängel zu beheben, wie es im Bericht weiter heisst. Daher wendeten sich die Studenten ans Schiedsgericht für Mietsachen und hinterlegten den Mietzins beim Bezirksgericht.

Es stellt sich im Laufe des Verfahrens heraus, dass der von der Stadt festgelegte Mietzins brutto lediglich 1170 Franken beträgt. Die Hauptmieterin hatte ihren Untermietern also einen massiven Preisaufschlag von 50 Prozent berappt. Laut Mietrecht kann der Preis bei Weitervermietung einer möblierten Wohnung maximal um 20 Prozent erhöht werden – allerdings nur bei intaktem Mobiliar.

Vormieter nutzte Wohnung als Airbnb

Um die Ursache für die massive Verwüstung herauszufinden, nahmen die Studenten Kontakt zum Vormieter auf. Dieser habe gestanden, die Wohnung «sehr oft» über Airbnb vermietet zu haben, obwohl er dafür keine Erlaubnis gehabt hatte. So schlugen also sowohl Haupt- als auch Untermieter unrechtmässig Profit aus der Wohnung, die die Stadt unter dem Marktpreis vermietet.

Als die Hauptmieterin die Wohnung kündigt, wittern die Studenten jedoch ihre Chance. Sie wollen selbst Hauptmieter werden. Jedoch passen sie nicht in das Bewerberprofil der Stadt und die Wohnung wird an jemand anderes vermietet. Dies erfahren die beiden Studenten jedoch erst kurz vor dem Auszugstermin.

Keine Konsequenzen

Für die ehemalige Hauptmieterin hat die Geschichte laut Bericht jedoch keine juristischen Folgen. Erträge aus ihrer unrechtmässig erworbenen Untermiete muss sie nicht zurückzahlen. Auf Anfrage der «NZZ» bei der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Zürich heisst es, Vermieter könnten vom Mieter nur unter bestimmten Voraussetzungen den erzielten Gewinn wegen Geschäftsanmassung zurückfordern.

Der Hauptmieter müsse nachweislich bösgläubig gewesen sein, also gewusst haben, dass er einen überhöhten Untermietzins einnehme. Daher werde auf rechtliche Schritte verzichtet.

Bewilligung zum Weitervermieten benötigt

Wenn ein Mieter seine Wohnung vorübergehend unter- oder weitervermieten will, etwa über eine Plattform wie Airbnb, braucht er dazu die Erlaubnis des Eigentümers. Dies ist gesetzlich so geregelt und gilt auch, wenn nur einzelne Zimmer vermietet werden. Eine Umfrage von Tagesanzeiger/Newsnet zeigte jedoch, dass sich nur sehr wenige daran halten.

Erst im April dieses Jahres fiel das erste Zürcher Gerichtsurteil gegen einen Airbnb-Anbieter. Er hatte seine Wohnung ohne Erlaubnis für 220 Franken pro Nacht untervermietet.

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kaf

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