Migros’ Tanz auf allen Hochzeiten ist vorbei

Der Koloss trennt sich von Globus, Interio und Depot. Das zeigt: Im Detailhandel zählt nicht mehr Grösse allein, sondern Schnelligkeit.

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Karin Kofler@sonntagszeitung

Der Satz muss ein Stich ins Herz der Mitarbeitenden von Globus sein: «Mit der verstärkten Ausrichtung auf das Premium- und Luxussegment entfernt sich Globus weiter von der DNA der Migros», sagte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen gestern vor den Medien. Globus, seit über 20 Jahren in Besitz der Migros und seit jeher höherpreisig positioniert, ist plötzlich nicht mehr Teil der Identität des orangen Riesen und soll verkauft werden. Mit der Warenhauskette werden auch das Möbelhaus Interio, die Wohnaccessoire-Kette Depot und die E-Bike-­Spezialistin M-Way feilgeboten.

Zumbrunnens Worte sind der Versuch, einen radikalen Entscheid zu rechtfertigen, den die Mitarbeitenden so sicher nicht erwartet haben. Noch vor zwei Jahren hatte das Management anders geredet: Die Marke Schild verschwand damals und wurde in Globus integriert, Arbeitsplätze wurden abgebaut. Alles mit dem Ziel, die bekannte Warenhausmarke wieder in die Gewinnzone zu bringen. Auch an Interio wurde herumgeflickt; das Unternehmen wurde 2016 mit den Micasa-Fachmärkten zusammen­geführt, um Synergien zu gewinnen. Jetzt kapituliert die Migros. «Wir waren bei Interio zu optimistisch», gesteht Zumbrunnen. Richtig.

Die Migros hat zu lange gezaudert mit Grundsatzentscheiden. Sie hat die raschen Umwälzungen im ­Non-Food-Markt in Zusammenhang mit der Digitalisierung zu wenig antizipiert. Noch 2013 akquirierte sie Schild – zu einer Zeit, als Amazon und Zalando schon auf dem Vormarsch waren. Man handelte noch nach dem lange Zeit gültigen Prinzip: mehr Ladenfläche = mehr Umsatz. Dieses Gesetz wurde mit dem Aufkommen neuer Online-Player ausser Kraft gesetzt.

Nun will sich die Migros verstärkt auf ihr Kerngeschäft, das Food, konzentrieren. Denn auch dort sind die Erträge stark unter Druck geraten, und die Digitalisierungswelle rollt erst an. Ebenso will man das Convenience-­Geschäft und den Onlinehandel mit der Plattform Digitec Galaxus forcieren. All das ist dringlich, und es er­fordert viel Geld. Die Migros kann es sich schlicht nicht mehr leisten, auf allen Hochzeiten zu tanzen.

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