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Langenthaler WortgeschichtenMüntschi

Halb daneben ist fast getroffen: An dieser Stelle interpretiert Stadtliterat Alexander Estis Mundartwörter auf seine Weise.

Sagt man muond, formt die Lippen zu einem Kussmund und hängt ein «i» hintendran, ergibt das «Müntschi».
Sagt man muond, formt die Lippen zu einem Kussmund und hängt ein «i» hintendran, ergibt das «Müntschi».
Illustration: PD / Alexander Estis

Das Wort «Müntschi» ist bündnerisch und wird ausschliesslich in einem kleinen Tal südnördlich von Bergün gebraucht. Wie unschwer zu erraten, bedeutet es Welt. Zwar lautet das eigentliche ladinische Wort für Welt muond – natürlich von lateinisch mundus –, doch wurde dieses in besagtem Tal mit der Zeit zu Müntschi.

Über diesen sprachlichen Wandel erzählt man sich im Tal folgende Geschichte, die ich selbst aufgezeichnet habe. Weil die Talbewohner früher ein besonders sonniges Gemüt besessen und die sie umgebende Welt über alles geliebt haben sollen, sprachen sie dieses Wort immer nur mit grösster Zärtlichkeit aus; darum benutzten sie es unter dem Einfluss des Schweizerdeutschen oft mit der verniedlichenden Endung -i und rundeten dabei die Lippen so, als formten sie einen Kussmund. Auf diese Weise entstand das Wort «Müntschi».

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