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Übernahme in GefahrMurdoch erhält Ohrfeige

Wenn James Murdoch bei der MCH Group die Kontrolle haben will, muss er bereit sein, mehr dafür zu zahlen. Ein Platzen des Deals wäre für die Messe fatal.

Springt er nun ab? James Murdoch will bei der Messe und ihrer Art Basel einsteigen.
Springt er nun ab? James Murdoch will bei der Messe und ihrer Art Basel einsteigen.
Foto: Keystone

Der Krimi um die Rettung des verschuldeten Messekonzerns geht weiter: Ein Entscheid der Übernahmekommission verhindert den Einstieg von James Murdoch. Denn der Milliardärssohn darf nun nur wie geplant mit mindestens einem Drittel bei der MCH Group einsteigen, wenn er auch den restlichen Aktionären ein Kaufangebot macht. Das würde ihn jedoch teuer zu stehen kommen. Murdochs Beteiligung und die dringend nötige Sanierung der Messe, an der die Kantone Basel und Zürich beteiligt sind, hängen damit in der Luft.

Für Murdoch stellt sich nun die Frage, ob er mehr als die geplanten 74,5 Millionen Franken in die Messe einschiessen will. Denn er kann davon ausgehen, dass er anderen Aktionären ein Übernahmeangebot machen muss. Und zwar zu einem höheren Preis. Das öffentliche Kaufangebot richtet sich nämlich nach dem durchschnittlichen Börsenkurs der letzten sechs Monate und würde damit deutlich höher liegen als die für seinen Einstieg ausgehandelten 10.50 Franken je Aktie.

Deutlich über 10.50 Franken: Kurs der Aktie von MCH Group in den letzten sechs Monaten.
Deutlich über 10.50 Franken: Kurs der Aktie von MCH Group in den letzten sechs Monaten.
Börsenkurs: Swissquote

MCH Group in Bedrängnis

Die Rote Karte der Übernahmekommission bringt jedoch nicht nur Murdoch, sondern vor allem auch die MCH Group in Bedrängnis. Für sie wird die Zeitfrage kritisch, denn sie muss mit ihrer Planung für das neue Konzept ihrer Kunstmesse Art Basel vorwärtsmachen. Die letzte verbliebene Weltmesse der Gruppe ist ihr unternehmerisches Herzstück. Nicht nur wegen der Corona-Krise, sondern auch wegen der Digitalisierung muss sich die Art neu am Markt aufstellen. Dafür braucht es Ideen und Geld.

Die Messe hatte deswegen auf den medien- und kunstaffinen James Murdoch gesetzt. Murdoch war mit zwei weiteren Vertretern seiner Investmentgesellschaft Lupa Systems neu in den Verwaltungsrat gewählt worden – und hatte bei den neuen Plänen tüchtig mitmischen wollen.

Neuer Plan muss her

Die Entscheidung der Übernahmekommission kann indes angefochten werden. Doch ein langes rechtliches Hickhack um Murdochs Einstieg dürfte der Messe das Genick brechen. Die MCH Group entscheidet in der kommenden Woche, ob sie den Entscheid der Übernahmekommission an die Finanzmarktaufsicht (Finma) weiterziehen will. Oder sie legt einen Plan vor, wie sie Murdoch den Einstieg doch noch zu günstigen Konditionen sichern kann. Bei der Messe gab es am Freitag keine Stellungnahme hierzu. Der Sprecher sagte nur: «Wir analysieren jetzt den Kommissionsentscheid.»

Gegen Murdochs Einstieg ohne Kaufangebot an die Minderheitsaktionäre geklagt hatte der Aktionär Erhard Lee. Er hält über seinen Fonds 9,8 Prozent an der Messe.

Die Übernahmekommission hat nun Lees Klage zwar nur in einem, aber dem springenden Punkt stattgegeben. Sie erklärte es für unrechtens, dass Murdoch den anderen Aktionären kein öffentliches Kaufangebot machen muss. Dieses sieht das Börsenrecht vor, sobald ein Aktionär den entscheidenden Anteil von 33,3 Prozent überschreitet. Die Ausschaltung dieser Regel auf der ausserordentlichen Generalversammlung durch die sogenannte Opting-up-Klausel habe nicht dem Abstimmungsquorum genügt.