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Zurück auf der BühneMusiker auf dem Weg zur neuen Normalität

Nils Burri fand aus der Corona-Schockstarre: Der Oberländer Singer-Songwriter freut sich, «wieder einigermassen reguläre Konzerte geben zu können».

Der Oberländer Singer-Songwriter Nils Burri (hier auf dem Hahnenmoos) freut sich, «nun wieder einigermassen reguläre Konzerte geben zu können».
Der Oberländer Singer-Songwriter Nils Burri (hier auf dem Hahnenmoos) freut sich, «nun wieder einigermassen reguläre Konzerte geben zu können».
Foto: PD/Anja Zurbruegg

«Ja, das schlug richtig ein …» Nachdenklich blickt Nils Burri in die Ferne, durch die schwarze Wand in seinem Bandraum hindurch. Was Ende März mit dem Lockdown geschah, traf den Singer-Songwriter mit voller Wucht – und mit ihm ganze Branchen. «Innerhalb einer Woche kamen Mails und Telefonate rein mit Absagen für Konzerte im Wert von rund 35’000 Franken.»

«Innerhalb einer Woche kamen Mails und Telefonate rein mit Absagen für Konzerte im Wert von rund 35’000 Franken.»

Nils Burri

Von einem Tag auf den nächsten war alles anders. Wie sollte es weitergehen? Denn auch in der kollektiven Corona-Schockstarre ging das Leben weiter, folgte zwangsläufig täglichen, lebensnotwendigen Bedürfnissen. Und da war auch die Sehnsucht nach etwas Normalität, nach den so wichtigen Momenten der Erholung und Freude. Not und Distanzregeln machten erfinderisch. So entstanden für die Leute, die sich daheim in den vier Wänden nach Livemusik sehnten, die Garten- und Balkonkonzerte.

Viele Anfragen

Wollte er also «die schwarze Wand im Bandraum anstarren oder rausgehen, Leute glücklich machen und vielleicht noch ein bisschen was verdienen»? Für Nils Burri keine Frage. Alsbald spielte der Musiker solo auf Kollekte weit über die Region hinaus, fuhr nach Sursee oder drei Stunden bis ins bündnerische Maienfeld, trat mal vor zehn Wohnungen auf, mal in einem Dübendorfer Hinterhof, «wo Leute von 140 Balkonen auf mich runterblickten».

Selbst bei den kleinen dieser besonderen Auftritte füllte sich die Kollekte nicht selten erfreulich. Und: Auf jeden der gut vorbereiteten und mit Flyern vor Ort angekündigten Gigs folgten weitere Anfragen. Mit dem Resultat, dass der «Hardest Working Singer-Songwriter des Berner Oberlands», wie ihn der renommierte Berner Konzertveranstalter Philippe Cornu bezeichnet, so oft unterwegs ist wie sonst kaum zu dieser Jahreszeit: «Alle Wochenendtage bis Ende September sind bereits ausgebucht.»

«Tiefe Dankbarkeit»

Der Musiker mit Frutiger Wurzeln bezeichnet seine Situation als grossen Glücksfall, im Wissen, dass er «kein typisches Beispiel» für die schwer getroffene Musiker- und Künstlerszene darstellt. «Ich kann solo unterwegs sein. Für einen Schlagzeuger oder eine fünfköpfige Band sieht das schon komplizierter aus.» Deshalb empfinde er auch eine «tiefe Dankbarkeit», dass er in dieser schwierigen Zeit doch relativ gut über die Runden komme.

«Der Erholungswert von Musik lässt sich leider kleinreden, weil er nicht messbar ist.»

Nils Burri

Befremdlich findet der Oberländer mit der charismatischen Stimme «die Meinung gewisser Politiker», man könne den Erwerbsersatz für Kulturschaffende kürzen, weil es sich nicht um einen relevanten Wirtschaftszweig handle.

«Der Erholungswert von Musik lässt sich leider kleinreden, weil er nicht messbar ist, etwa wenn einer nach einem Konzert aufgestellt wieder auf die Büez geht.» Messbar seien aber sehr wohl die Ausfälle und verlorenen Jobs für Tausende Menschen, wenn Hunderte von Konzerten und ein ganzer Festival-Sommer ausfallen – man denke etwa ans Catering, «um nur eines von ganz vielen Beispielen zu erwähnen».

Blick nach vorn

Kommt mit der zweiten Corona-Welle nun eine neue Absage-Welle? Nils Burri, der die ungewöhnliche Situation der Gegenwart in der Single «Memories» verarbeitet hat, lässt sich nicht beirren und blickt nach vorn: «Ich freue mich, nun wieder einigermassen reguläre Konzerte geben zu können, solo, als Duo, Trio oder zu viert.»

Seine Agenda ist voll. So tritt er etwa diesen Samstag gemeinsam mit «Schlangenfrau» Nina Burri im Berner Bierhübeli auf, am 26. Juli solo im Hotel Alpenland in Lauenen, am 29. Juli solo in der Thuner Krone oder am 1. August im Duo im Grandhotel Giessbach.

Im Bandlokal in Uttigen die schwarze Wand anstarren oder raus zu einem Balkonkonzert? Für Singer-Songwriter Nils Burri keine Frage.
Im Bandlokal in Uttigen die schwarze Wand anstarren oder raus zu einem Balkonkonzert? Für Singer-Songwriter Nils Burri keine Frage.
Foto: Hans Peter Roth