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Politischer Mord auf MaltaGericht verhängt 15 Jahre Haft für Anschlag auf Journalistin

Im Mordfall der in Malta umgebrachten Enthüllungsreporterin Daphne Caruana Galizia gab es eine überraschende Wende. Erstmals gestand ein Mann die Tat.

Der Tod von Daphne Caruana Galizia hat die Bevölkerung von Malta schockiert und wütend gemacht: Aufgebrachte Menschen protestieren vor dem Justizpalast im Dezember 2019.
Der Tod von Daphne Caruana Galizia hat die Bevölkerung von Malta schockiert und wütend gemacht: Aufgebrachte Menschen protestieren vor dem Justizpalast im Dezember 2019.
Foto: René Rossignaud (AP/Keystone/Archiv)

Über drei Jahre nach dem Autobomben-Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia in Malta verurteilte ein Gericht einen von drei Beschuldigten auf der Mittelmeerinsel zu 15 Jahren Gefängnis.

Der Angeklagte hatte sich kurz zuvor in dem Prozess überraschend für schuldig bekannt. Damit löste er eine Wende in dem Verfahren in Valletta aus, in dem drei Männer wegen Mordes angeklagt sind und bisher ihre Schuld bestritten hatten. Die anderen beiden Männer änderten ihre Aussagen zunächst nicht.

Die 53-jährige Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto getötet worden. Sie hatte regelmässig über Korruption, Geldwäsche und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet. Darin verwickelt waren nach ihren Recherchen auch Mitglieder der Regierung.

Vincent M. und die Brüder George und Alfred D. wurden im Dezember 2017 verhaftet. Sie werden beschuldigt, die Bombe beschafft, platziert und gezündet zu haben. Ausserdem sollen sie einer kriminellen Vereinigung angehören. Während M. am Dienstag vor Gericht auf schuldig plädierte und damit seine bisherige Position fallen liess, beteuern die zwei anderen weiterhin ihre Unschuld.

Der nun Verurteilte hat eine nach dem maltesischen Strafgesetzbuch relativ milde Strafe bekommen. Als Begründung nannte die Richterin die Kooperationsbereitschaft des Angeklagten und sein Verzicht auf eine Berufung. Der Chefermittler in dem Fall bestätigte laut der Richterin, dass M. seit 2018 mit den Behörden zusammengearbeitet hat.

Den mögichen Drahtzieher verhaftet

Ein vierter Verdächtiger, der einflussreiche Geschäftsmann Yorgen Fenech, wurde 2019 vor der Küste Maltas auf seiner Jacht festgenommen, als er versuchte zu fliehen. Die Anhörungen in seinem Fall haben noch nicht begonnen. Die Familie der Ermordeten und einige Medien halten ihn für den möglichen Auftraggeber des Mordes.

Der Mord an der Journalistin in einem EU-Land hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und führte zu einer Reihe von Rücktritten auf höchster politischer Ebene in Malta. Anfang vergangenen Jahres legte auch der damalige Regierungschef Joseph Muscat sein Amt nieder. Ihm war eine Verschleppung der Ermittlungen vorgeworfen worden. Ausserdem sollen Vertraute von ihm womöglich in den Mord verwickelt gewesen sein.

SDA/AFP/fal

1 Kommentar
    David Fux

    Das sind gute Nachrichten!