Zum Hauptinhalt springen

Aufregung um neues Corona-Mittel Nach Kursexplosion bei Schweizer Pharma-Firma werden Zweifel laut

Noch vor kurzem waren die Aktien von Relief Therapeutics weniger als einen Rappen wert. Nun setzt das Unternehmen auf ein Corona-Medikament und der Kurs explodiert. Doch Analysten trauen dem nicht.

Ihnen könnte das Mittel helfen: Corona-Patienten auf der Intensivstation – hier in Lausanne.
Ihnen könnte das Mittel helfen: Corona-Patienten auf der Intensivstation – hier in Lausanne.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Die Schweizer Firma Relief Therapeutics sorgt mit der Entwicklung eines Medikaments für Corona-Patienten seit Monaten für Schlagzeilen. In den USA laufen bereits zwei klinische Studien, bei denen der Wirkstoff des Unternehmens an Infizierten getestet wird. Das Mittel (RLF-100/Aviptadil) soll die Beschwerden bei schweren Covid-19-Fällen lindern und für eine schnellere Genesung sorgen soll. Doch was bei Infizierten Hoffnungen weckt, sorgt bei Experten für grosse Skepsis. Denn wer hinter der Firma steht, ist unklar. Und auch darüber hinaus gibt es Fragen.

Die Entwicklung des Corona-Medikaments etwa läuft gar nicht über Relief Therapeutics, sondern über das US-Partnerunternehmen NeuroRx. Die Schweizer Firma selbst hatte im vergangenen Jahr weniger als zehn Vollzeitangestellte, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Zudem gibt es dort keinen Firmenchef. Das Management besteht aus einem Finanzvorstand und einem Berater, der für Forschung und Entwicklung zuständig ist. An der Spitze des Verwaltungsrats steht ein Finanzanalyst.

Kursexplosion dank Corona

Bei den Anlegern steht das Papier dennoch hoch im Kurs: Die Aktie des Unternehmens ist seit Jahresbeginn förmlich explodiert. Während das Papier zu Jahresbeginn noch nahezu wertlos war und bei 0,001 Franken notierte, kostet die Aktie nun 0,60 Franken. Damit ist die Firma an der Börse 1,4 Milliarden Franken wert.

Am Mittwoch ging die Rally weiter: Relief kündigte an, für den Corona-Wirkstoff in den USA eine sogenannte Notfallzulassung zu beantragen. Dabei soll das Medikament bei Patienten zum Einsatz kommen, bei denen alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgereizt sind.

ZKB-Experte Michael Nawrath hält das Unternehmen für «sehr undurchsichtig». Er ist skeptisch, ob die US-Behörde FDA grünes Licht für eine Notfallzulassung gibt. Diese werde nach den jüngsten Rückschlägen bei der Einführung von Covid-Medikamenten oder der Entwicklung von Corona-Impfstoffen genau hinschauen. Zudem könne das Mittel zu Nebenwirkungen führen – etwa zu Darmbeschwerden oder zu niedrigem Blutdruck.

Wer steckt dahinter?

Für Relief Therapeutics ist die Covid-19-Arznei der einzige grosse Hoffnungsträger. Andere Projekte hatte die Firma nach dem Ausbruch der Pandemie zurückgestellt. Finanziert wird die Firma von der Beteiligungsgesellschaft GEM Global Yield Fund, die das Unternehmen auch kontrolliert. Begünstigter ist nach Angaben der Schweizer Börse der Gründer von GEM Nordamerika, Christopher Brown.

Seinen aktuellen Namen trägt das Unternehmen seit 2016. Zuvor gab es mehrere Fusionen mit anderen Unternehmen. Eine der Vorgängerfirmen – Mondo Biotech – bezog ihren Sitz vorübergehend in einem ehemaligen Kapuzinerkloster in Stans. Dort musste sie aber nach Schwierigkeiten im Geschäft wieder ausziehen.

15 Kommentare
    A.C.

    Das Medikament Aviptadil hat bereits eine Zulassung in den USA und Europa. Hier geht es darum dass das Medikament auch für Covid-19 Patienten eingesetzt wird weil man festgestellt hat (und hier gab es berichte von Spitälern aus der USA) das die Patienten damit schneller genesen. Zudem muss man sehen das RLF-100 bereits einen Fasttrack erhalten hat für eine Studie mit Inhalator (bei weniger schweren Fällen) und sogar bei Schwangeren. Ich sage nicht das dies ein Wundermittel ist, aber es scheint, zumindest in der kurzen Zeit, eine der besten Behandlungen zu versprechen die wir haben.