Nach Sexismus-Kritik: Trumps Fed-Kandidat zieht sich zurück

Stephen Moore sollte die US-Notenbank leiten, verzichtet nun aber auf seine Kandidatur. Trump äussert sein Bedauern.

Wegen frauenfeindlicher Aussagen in die Kritik geraten: Trumps Fed-Kandidat Stephen Moore unterstützte den US-Präsidenten im Wahlkampf. (22. März 2019) Bild: Bloomberg/Getty Images

Wegen frauenfeindlicher Aussagen in die Kritik geraten: Trumps Fed-Kandidat Stephen Moore unterstützte den US-Präsidenten im Wahlkampf. (22. März 2019) Bild: Bloomberg/Getty Images

Bei den anstehenden Neubesetzungen in der Leitung der US-Notenbank Fed hat Präsident Donald Trump einen weiteren Rückschlag erlitten: Auch ein zweiter Favorit des US-Präsidenten für das Fed-Direktorium erklärte nun seinen Verzicht, wie Trump selbst am Donnerstag mitteilte. Der Ökonom Stephen Moore habe entschieden, sich aus dem Bewerbungsverfahren zurückzuziehen. Zuvor hatte bereits ein anderer Trump-Favorit, der Geschäftsmann Herman Cain, auf einen Posten in dem Fed-Leitungsgremium verzichtet.

Angaben zu den Gründen von Moores Verzicht machte Trump nicht. Der 59-jährige Wirtschaftswissenschaftler und politische Kommentator war aber zuletzt wegen früherer frauenfeindlicher Kommentare massiv in die Kritik geraten. Trump-Sprecherin Sarah Sanders hatte daraufhin zu Beginn dieser Woche gesagt, das Weisse Haus prüfe schriftliche Äusserungen Moores.

Trump bezeichnete Moore nun als «grossartigen wachstumsfreundlichen Ökonomen» und «wahrhaft feine Person». Trump schrieb Moore einen massgeblichen Einfluss auf die unter seiner Präsidentschaft verabschiedeten Steuersenkungen und Deregulierungen zu. Er habe Moore gebeten, ihn bei weiteren Massnahmen zugunsten des Wirtschaftswachstums zu beraten, erklärte der US-Präsident über Twitter.

Sexistische Aussagen

Moore hatte Trump bereits im Wahlkampf 2016 beraten. Nachdem er vom Präsidenten für einen der beiden vakanten Posten im siebenköpfigen Fed-Direktorium ins Spiel gebracht worden war, wurde in den US-Medien aber ausführlich über frauenfeindliche Bemerkungen in seinen früheren Artikeln berichtet. So warnte Moore vor Frauen, die mehr verdienen als Männer, weil dies das Familienleben destabilisieren könne. Dass eine Frau ein Männer-Basketballspiel pfiff, nannte Moore «unanständig».

Trumps anderer Fed-Favorit hatte Anfang vergangener Woche seinen Verzicht erklärt. Der 73-jährige Cain, früherer Manager einer Pizzakette und ebenfalls Medienkommentator, war nach seiner Benennung durch Trump erneut mit früheren Vorwürfen sexueller Übergriffe konfrontiert worden.

Cain und Moore stiegen aus, noch bevor sie Trump formell für das Fed-Direktorium nominiert hatte. Es zeichnete sich jedoch bei beiden bereits ab, dass sie das Nominierungsverfahren mutmasslich nicht überstanden hätten.

Kritik an Zinserhöhungen

Die Besetzung der Fed-Leitungsposten muss vom Senat genehmigt werden. Dort haben Trumps Republikaner zwar eine knappe Mehrheit. Doch in beiden Fällen hatten mehrere Republikaner bereits Bedenken oder direkte Einwände gegen die zwei Anwärter vorgebracht.

Mit der Besetzung der Fed-Posten will Trump offenbar erreichen, dass die von der Regierung unabhängige Notenbank stärker in seinem Sinn agiert. Er hat die Fed und ihren Chef Jerome Powell immer wieder für ihre Zinserhöhungsschritte kritisiert. Zuletzt warf er der Federal Reserve am Dienstag vor, mit ihrem Kurs das Wirtschaftswachstum abzubremsen.

In diesem Jahr hat die Fed den Leitzins allerdings noch nicht angehoben – erst an diesem Mittwoch entschied sie, den Satz unverändert zu lassen. Im vergangenen Jahr hatte die Notenbank den Zins allerdings vier Mal leicht angehoben.

oli/afp

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