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Hochwasserschutz in HuttwilNeue Freiheit für ein Gewässer

Die Herdgemeinde legt den Unterlauf des Weierbachs im Kammernwald neu an. Dieser schützt das Industriegebiet künftig vor Überschwemmungen.

Schon bald mit Bach: Der Weg im Huttwiler Kammernwald.
Schon bald mit Bach: Der Weg im Huttwiler Kammernwald.
Fotos: Raphael Moser

Rudolf Steffen schilderte den Huttwiler Herdburgerinnen und Herdburgern eindrücklich, was geschieht, wenn der Weierbach nach einem Gewitter Hochwasser führt. Er kramte in seinen Erinnerungen aus den 1960er-Jahren, als er beabsichtigte, im Rüttistalden ein Baugeschäft zu erstellen (die heutige Kibag). Deshalb legte er damals einen Entlastungskanal an.

Der genügt heute jedoch nicht mehr, um das Industriegebiet vor den Wassermassen zu schützen. Zudem haben sich die gesetzlichen Vorgaben geändert. Neben Gewässern gilt heute eine Bauverbotszone. Sind sie eingedohlt und werden die Kanäle oder Röhren beschädigt, müssen sie zwingend freigelegt werden.

Verschiedene Varianten

In der Folge wurden verschiedene Lösungsansätze eingehend geprüft, wie Roger Flückiger von der C+S Ingenieure AG der Herdgemeindeversammlung aufzeigte. Als beste und effizienteste Lösung stellte es sich schliesslich heraus, den Weierbach neu anzulegen. Er soll künftig entlang eines Wegs fliessen, der parallel zum Waldrand Richtung Ziegelacker führt. Dort, wo das Ziegelwaldbächlein in diesen münden wird, ist ein Weiher als Rückhaltebecken geplant.

Oberhalb des Abschnitts, der neu angelegt wir, fliesst der Weierbach bereits heute frei.
Oberhalb des Abschnitts, der neu angelegt wir, fliesst der Weierbach bereits heute frei.

Von der Hangkante soll das Wasser schliesslich über eine Röhre der Langeten zugeführt werden. Diese Eindohlung akzeptiere der Kanton, da gleichzeitig ein grosser Teil der Bäche neu wieder offen geführt wird, erklärte Roger Flückiger.

Bach wird Kanalisation

Für das Industriegebiet haben diese Massnahmen den Vorteil, dass die besehenden Leitungen nicht mehr als Gewässer gelten, sondern als Kanalisation. Als solche bleiben sie bestehen und können weiterhin als Hochwasserentlastung dienen, was den Schutz zusätzlich erhöht.

Die Kosten dieser Massnahmen werden auf 3,275 Millionen Franken veranschlagt. Sie sei effizient, betonte Roger Flückiger, würden doch damit Bauten im rund doppelten Wert geschützt. Er erwartet aufgrund seiner Erfahrung, dass Bund und Kanton das Vorhaben mit 70 bis 95 Prozent subventionieren werden.

Hier soll ein Weier als Rückhaltebecken angelegt werden.
Hier soll ein Weier als Rückhaltebecken angelegt werden.

Der Herdgemeinde verbleiben damit im schlechtesten Fall Fall knapp eine Million Franken, was über die nächsten 20 Jahre Folgekosten von jährlich rund 56’000 Franken verursachen wird. Zudem verbleiben ihr der Unterhalt der Brücken und des Weihers. Der Unterhalt des Baches hingegen geht an die Einwohnergemeinde über.

Baubeginn im Sommer 2021

Die Subventionen müssen noch vom Regierungsrat und dem Grossen Rat genehmigt werden. Roger Flückiger geht davon aus, dass im Sommer 2021 mit dem Bau begonnen werden kann. An der Versammlung warf das Vorhaben zwar einzelne Fragen auf, wurde aber nicht bestritten.

Die Anwesenden befassten sich danach in einem weiteren Geschäft mit dem Industriegebiet Rüttistalden: Sie genehmigten einen Planungs- und Infrastrukturvertrag mit der Einwohnergemeinde und der Industriellen Betriebe Huttwil AG. Damit kann die Industriezone um vier Baufelder im Kammernmoos erweitert werden. Vorgesehen ist eine ringförmige Erschliessungsstrasse. 27 Herdburger nahmen an der Versammlung teil (8 Prozent von total 337).