Der Premier fürchtet ihn

In Israels konservativer Likud-Partei ist der ehemalige Innenminister der wichtigste Rivale von Benjamin Netanyahu.

Sein Vater war der Arzt von Israels Staatsgründer, jetzt will er selbst Premier werden: Gideon Saar. Foto: Getty

Sein Vater war der Arzt von Israels Staatsgründer, jetzt will er selbst Premier werden: Gideon Saar. Foto: Getty

Er war der Erste, der sich aus der Deckung wagte: «Ich bin bereit», twitterte Gideon Saar, nur wenige Minuten nachdem Benjamin Netanyahu seine Überlegungen öffentlich gemacht hatte, sich als Likud-Chef einer Wahl zu stellen. Dabei wollte sich der amtierende Premierminister der Unterstützung seiner Partei versichern, nach der Wahlniederlage vom 17. September und den Problemen bei der Koalitionsbildung.

Nach Saars Kampfansage wurde das Votum abgesagt. Der frühere Bildungs- und Innenminister beteuerte daraufhin, er sei weiter bereit zu kandidieren. Solange Netanyahu im Amt sei, unterstütze er ihn. Netanyahus Anhänger verbreiteten daraufhin am Wochenende: «Der Putsch ist abgesagt.»

Saar war auch der Erste in den Reihen des rechtsnationalen Likud, der sich öffentlich gegen die Pläne des Premierministers für ein Immunitätsgesetz stellte, das Netanyahu Schutz vor Anklagen in drei Korruptionsfällen bieten sollte. Derzeit werden Anhörungen abgehalten, danach fällt die Entscheidung, ob sich der Ministerpräsident vor Gericht verantworten muss.

Netanyahu bezichtigte Saar und Rivlin, einen «Putsch» gegen ihn zu planen, um ihn als Premierminister zu verhindern. Dennoch wurde Saar von Likud-Mitgliedern auf den vierten Listenplatz gewählt. 

Wegen seiner Kritik an Netanyahu wurde der 52-jährige Saar mit Beleidigungen in sozialen Medien überzogen. Sogar seinem fünfjährigen Sohn David wurde in der Vorschule nachgestellt. Die Erfahrung, dass Privates und Berufliches nicht einfach zu trennen sind, machte Saars zweite Frau Geula Even. Als politische Journalistin hatte sie nach ihrer Heirat 2013 berufliche Probleme. Saar kündigte 2014 an, eine Auszeit von der Politik zu nehmen. Kurz vor seinem politischen Comeback Ende vorigen Jahres gab dann Geula Even ihren Job als Moderatorin der Hauptnachrichtensendung des öffentlichen Senders Kan auf.

In seiner Zeit als Bildungs- und Innenminister zwischen 2009 und 2014 galt Saar schon als potenzieller Nachfolger Netanyahus. Spätestens als er in parteiinternen Vorwahlen mehr Stimmen als der Premier erhielt und gegen dessen Widerstand Reuven Rivlin bei der Präsidentschaftskandidatur unterstützte, wurde Saar zu Netanyahus Rivale. Netanyahu verweigerte Saar vor der Parlamentswahl im April einen attraktiven Listenplatz. Netanyahu bezichtigte Saar und Rivlin, einen «Putsch» gegen ihn zu planen, um ihn als Premierminister zu verhindern. Dennoch wurde Saar von Likud-Mitgliedern auf den vierten Listenplatz gewählt. In einer Umfrage unter allen Israelis landete Saar auf Platz eins, als gefragt wurde, wer Netanyahu im Likud nachfolgen sollte.

Einen Premier kannte er von Kindesbeinen an: David Ben-Gurion. Saars Vater war der Arzt von Israels Staatsgründer.

Politisch gilt der smarte Saar als flexibel, er vertritt sowohl liberale als auch rechte Positionen. So lehnte er 2005 den Rückzug jüdischer Siedler aus dem Gazastreifen ab, er ist auch gegen einen palästinensischen Staat. Der Jurist Saar verteidigt immer wieder den Rechtsstaat – auch gegen Netanyahus Angriffe. Bevor er sich der Rechtswissenschaft zuwandte, arbeitete Saar als Journalist – unter anderem für Uri Avnerys linkes Wochenmagazin «Haolam Haseh» («Diese Welt»).

Seinen Wunsch, Premierminister zu werden, soll Saar erstmals mit 16 Jahren geäussert haben. Einen Premier kannte er von Kindesbeinen an: David Ben-Gurion. Saars Vater war der Arzt von Israels Staatsgründer.

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