Die Mädchen sagen die Wahrheit – Patin verurteilt

Interlaken

Die Richterin glaubte den zwei Mädchen und verurteilte deren Patin wegen sexueller Handlungen zu einer Gefängnisstrafe.

Es gäbe keinen Grund warum die Mädchen der Frau schaden wollten, deshalb wurde Sie verurteilt.

(Bild: Urs Jaudas)

Vor der Einzelrichterin erschien am Donnerstag eine 56-jährige Frau aus Interlaken, die sich keiner Schuld bewusst war. Sie betreute während mehrerer Jahre regelmässig am Wochenende ihr Patenkind und gelegentlich auch noch die Halbschwester. Man glaubte ihr, dass sie gerne Kinder hat und ihr Patenkind ganz besonders. Bei ihr konnte auch der Vater des heute 13-jährigen Mädchens seine Tochter besuchen. Nach ihr hätte es immer so weitergehen können. Nie hätte sie gedacht, dass sie einmal vor einem Richter stehen würde.

Das Mädchen lebt seit mehreren Jahren in einer Pflegefamilie und weigerte sich im Januar 2016, zu seiner Gotte zu gehen. Die Pflegemutter wollte wissen warum, weil es vorher keine Probleme gab. Nach und nach erzählte das Mädchen davon, dass die Gotte es an den Brüsten berühre, es in die Brustwarzen klemme, weil sie schauen wolle, ob die Brüste schon gewachsen seien. Als die Gotte damit begann, war das Kind erst 6 Jahre alt. Die Gotte, so das Kind, habe es am ganzen Körper geknetet, auch an den Genitalien.

Dies sei vor allem nach dem Duschen oder Baden passiert, beim Abtrocknen, aber auch auf dem Bett und auf dem Sofa. Manchmal hatte das Mädchen nachher Schmerzen. Nur einmal getraute sich das Kind, «Nein, ich will das nicht» zur Gotte zu sagen. Die Antwort war, das sei doch cool. Ähnlich erging es der Halbschwester. Diese wurde während kürzerer Zeit und nur an den Brüsten betastet, manchmal über den Kleidern, manchmal unter den Kleidern.

Alles abgestritten

Die Beschuldigte stritt alles ab. Sie kann sich nicht erklären, woher die Kinder das haben. Es seien schmutzige Behauptungen, erfunden, aber nicht die Wahrheit. Das Patenkind sei für sie wie ein eigenes Kind gewesen. Es hatte bei ihr ein eigenes Zimmer, und sie habe ihm nach Möglichkeit alle Wünsche erfüllt. Es sei normal, dass man ein kleines Kind nach dem Baden abtrockne, aber sie habe nie an den Brustwarzen gezogen. So stand Aussage gegen Aussage.

Die Kinder hätten altersgerecht und detailreich erzählt, sagte die Richterin. Beide hätten genau unterschieden zwischen den Personen und den Orten, wo eine Handlung stattgefunden habe. Insgesamt glaube sie den Aussagen der beiden Mädchen. Es sei weder ein Grund zu erkennen, warum die Mädchen der Frau schaden wollten, noch, warum sie die Geschichte erfunden hätten.

Die Frau wurde deshalb am Donnerstag wegen sexueller Handlungen mit Kindern, mehrfach begangen, zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, die Probezeit beträgt zwei Jahre. Die Kinder erhalten eine Genugtuung von 8000 Franken respektive 1'500 Franken. Ob die Frau das Urteil akzeptiert, ist unklar, sie war sehr enttäuscht darüber.

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