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Grillstände werden zum Politikum

Im Stadtparlament sind Vorstösse gegen das drohende Aus für die Kioske geplant. Die Stadt beschwichtigt.

Den Auftakt machten die Grünen: Nach der Kantonsratssitzung vom Montag fanden sie sich zum Protest-Wurstessen am Imbiss Riviera ein. «Wir wollten die Petition für den Erhalt des Grillstandes unterschreiben», sagt Fraktionschefin Esther Guyer. Die Grünen seien des Öftern dort zu Gast. «Wir verstehen nicht, dass der Stand weg soll.» Beim nächsten Treffen mit Stadtrat Daniel Leupi wollen sie sich aktiv für den Erhalt einsetzen. «Es muss nicht alles immer so gepützelt sein, es braucht auch einfache Gastroangebote am See.»

Mit dem Solidaritätsessen reagierten die Grünen auf Meldungen, dass die zwei Kioske an der Quaibrücke Ende 2016 verschwinden sollen. Die städtische Liegenschaftenverwaltung hatte den Betreibern mitgeteilt, die Pachtverträge würden nicht verlängert. Die Kioske passten nicht ins Leitbild Seebecken, das Umgestaltungen am Ufer vorsieht. Die Schliessungspläne haben auch bei anderen Parteien Kopfschütteln ausgelöst. SVP und FDP planen Vorstösse für den Erhalt der Imbissstände, wie sie gestern bestätigten. SVP-Fraktionschef Mauro Tuena spricht von einem «Paradebeispiel für die Kleinkariertheit der Stadtregierung». Es gehe nicht an, dass ein bestens funktionierender, beliebter Imbissstand, der niemanden stört, verschwinden soll.

«Das versteht niemand», sagt auch FDP-Präsident Michael Baumer. Mit dem Postulat wolle man zudem Fragen zum Stellenwert von Leitbildern wie jenem zum Seebecken aufwerfen. Es sei problematisch, welche Bedeutung solche Leitbilder zum Teil bekämen, obwohl sie von keinem Parlament beschlossen worden seien.

«Allgegenwärtiges ‹Glattbügeln›»

Für die Imbiss-Postulate von FDP und SVP zeichnet sich breite Unterstützung ab. CVP und GLP zeigen Sympathie für die Kioske. AL-Fraktionschef Andreas Kirstein kündete per Twitter «Widerstand gegen das allgegenwärtige ‹Glattbügeln› der Stadt Zürich» an. Auch SP-Fraktionschefin Min Li Marti findet die Normierungsbemühungen am See übertrieben. Sie kann sich «gut vorstellen», dass die SP die Vorstösse unterstützt. Schon beim Restaurant Pier 7, das in der Nähe der Imbissstände auf einem Floss in der Limmat schwimmt, habe man sich für den Erhalt eingesetzt.

Tatsächlich erinnert der Fall der Kios­­ke an den Streit um das Pier 7. Vor vier Jahren wollte die Stadt diesen Gastrobetrieb durch einen 2-Millionen-Franken-Neubau im «Dächlikappen»-Stil ersetzen. Schon damals argumentierte er mit dem Leitbild Seebecken. Die Pläne lösten eine Welle der Empörung aus. Für eine Petition kamen 8000 Unterschriften zusammen, der damalige FDP-Stadtratskandidat Urs Egger stürzte sich mitten im Winter in die Limmat, um auf den Überlebenskampf des Pier 7 aufmerksam zu machen. Als der Gemeinderat einstimmig ein Postulat überwies, knickte die Stadt ein. Sie genehmigte eine Sanierung und verzichtete auf den Neubau.

Stadt prüft Verlängerung

Auch im Fall der Imbissstände scheinen die aufkeimenden Proteste nicht ungehört zu verhallen. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen», sagt Jürg Keller, Vizedirektor der Liegenschaftenverwaltung. Man prüfe, ob es eine Verlängerung für die Betreiber geben könne. Keller verweist auf Aussagen des Kantons, wonach das Leitbild Seebecken nicht sakrosankt sei. In der NZZ hatte die Baudirektion signalisiert, dass fürs Bellevue noch nichts entschieden sei. Martin Huber

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