Holen wir uns die Kontrolle!

Die Techgiganten müssen den Nutzern endlich mehr Einblick in ihre Technologien geben – vor allem bei Wahlen.

Für Transparenz sind Unternehmen wie Google nicht gerade berühmt. Foto: Raisa Durandi

Für Transparenz sind Unternehmen wie Google nicht gerade berühmt. Foto: Raisa Durandi

Barnaby Skinner@BarJack

Wenn man von Unternehmen wie Google oder Facebook verlangt, mehr über ihre Algorithmen zu verraten, kontern die Techgiganten meist mit zwei Argumenten: Man könne erstens doch keine Geschäftsgeheimnisse verraten, und zweitens, selbst wenn man das täte, würde das doch nur den Tricksern dienen. So würden alle wissen, wie man die Google-Suche oder den Facebook-Newsfeed zu manipulieren habe, um zuoberst in den Suchresultaten zu erscheinen.

Solange es um Werbung für Zahnpasta oder Staubsauger geht, greifen diese Argumente. Doch bei Wahlen und Demokratie, sollten andere Massstäbe gelten.

Das ist heute nicht der Fall. Wenn Schweizer Parteien im Wahlkampf in sozialen Medien Werbung veröffentlichen, entscheidet offenbar ein Algorithmus darüber, ob sie eher an ältere männliche Nutzer oder jüngere weibliche ausgeliefert wird. Eine Auswertung der Politwerbung bei Facebook durch diese Zeitung zeigt, dass Werbung der FDP vor allem Männern angezeigt wird – obwohl die Partei das nicht will. Um auch Frauen zu erreichen, muss sie bezahlen. Warum? Geschäftsgeheimnis!, sagt Facebook.

Es bleibt umstritten, ob Onlinepolitwerbung einen Einfluss auf Wahlen hat. Die meisten Schweizer Politologen sagen, dass Plakatwerbung und Politjournalismus viel wichtiger für die Meinungsbildung seien.

Doch unterschätzen sollte man den Einfluss von Social Media nicht. Die Politologen wären nicht die Ersten, die sich in Sachen Onlinewerbung völlig verschätzen. 2007 sagte der damalige Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument: «Google hat Angst vor uns.» Seither sind die Werbeerträge der klassischen Medien von 2,5 Milliarden auf 1,7 Milliarden Franken eingebrochen, während Firmen wie Google und Facebook ihren Werbe-umsatz auf schätzungsweise 2 Milliarden Franken gesteigert haben.

Schlimm genug, dass die Techgiganten unsere Medienlandschaft systematisch umgewälzt haben. Wir sollten verhindern, dass sie Ähnliches mit unserer Demokratie tun.

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