Jazz aus New York mit brasilianischem Stempel

Das Brazilian Trio mit Pianist Helio Alves spielt ab morgen im Hotel Innere Enge. Auf die Zuhörer wartet Jazz, der geprägt ist von Brasilien und New York

Das Trio: Duduka Da Fonseca, Helio Alves und Nilson Matta (von links).

Das Trio: Duduka Da Fonseca, Helio Alves und Nilson Matta (von links).

(Bild: zvg)

Angenommen, die drei Musiker, die sich den nüchternen Bandnamen Brazilian Trio zugelegt haben, würden sich bei einer Agentur zwecks besserer Vermarktung melden. Es würde nicht lange dauern, und sie würden umbenannt in Brazilian Summit oder Brazilian All Stars. Nicht mal zu Unrecht. Pianist Helio Alves, Bassist Nilson Matta und Drummer Duduka Da Fonseca gehören nämlich zu den bekanntesten Künstlern der Latinszene.

Ein klassischer Start

Der Jazz kam schon früh nach Brasilien, Brasilien und seine Musiker aber stiessen erst später zum Jazz. Alves kam 1984 mit dem Ziel, am Berklee College in Boston Jazz zu studieren. In seiner Heimatstadt São Paolo hatte er klassisch begonnen: «Mit sechs Jahren schickten mich die Eltern in die Klavierstunde. Ich durfte nur das spielen, was notiert war. Fügte ich eigene Töne hinzu, wurde die Lehrerin böse. Ich aber wollte die Freiheit.» 1990 hatte er das Diplom, doch keinen Job. Alves: «Es war mein Landsmann Claudio Roditi, der mich ermutigte, nach New York zu kommen und dort meine Karriere zu beginnen.»

Mit dem Trompeter Roditi verbindet Alves eine enge Freundschaft. Zusammen sind sie auch in Bern aufgetreten, etwa am Jazzfestival 1999. Mit von der Partie war damals neben seinen diesjährigen Begleitern auch die Sängerin Rosa Passos. Sie lässt sich gerne von Alves assistieren. Den Job als Begleiter aber schätzen nicht alle Jazzpianisten. Warum lässt sich Alves, der Verfechter von Freiheit, zeitweise auf diesen Frondienst ein? «Einverstanden, Sänger und Sängerinnen zu begleiten, ist etwas anderes als rein instrumentales Spiel. Fingerspitzengefühl ist gefordert, aber glauben Sie mir, mit Sängern von Klasse macht es keinen grossen Unterschied.»

Grenzbereich der Kulturen

In den kommenden Marians-Auftritten ist Alves frei. Als Meister grossangelegter Improvisationen kann er seinen Intentionen freien Lauf lassen. Beurteilt man deren Qualität nach melodischen Kriterien, sind sie absolute Spitze. Egal, ob rasant oder gemächlich, die Phrasen überzeugen durch mustergültige Folgerichtigkeit. Das Zusammenspiel im Trio ist geprägt durch eine schlafwandlerische Integration im Grenzbereich der Kulturen. Oder mit den Worten des kürzlich verstorbenen brasilianischen Gitarristen Oscar Castro-Neves, der einst im Gespräch mit dieser Zeitung meinte: «Alle drei sind hervorragende Musiker und liebe Freunde aus meiner Heimat, die New York als Wohnsitz gewählt haben. Das hat ihre Musik geprägt.»

Berner Zeitung

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