Pragmatisch Richtung Frieden

Das Nobelpreiskomitee ehrt den äthiopischen Präsidenten Abiy Ahmed.

Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed. Foto: Keystone

Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed. Foto: Keystone

Es ist eine naheliegende Entscheidung – und auch eine überraschende. Zum zweiten Mal in Folge gewinnt ein Afrikaner den Friedensnobelpreis, 2018 war es der kongolesische Arzt Denis Mukwege, der sich für Mädchen und Frauen einsetzt, die Opfer von sexualisierter Kriegsgewalt wurden. Jetzt ist es der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed, der im Eil­tempo Frieden mit dem Nachbarland Eritrea geschlossen hat.

Im April 2018 wurde er gewählt, im Juni bot er dem Nachbarland Friedensgespräche an, und am 9. Juli – Abiy Ahmed war gerade drei Monate im Amt – unterschrieben die beiden Staatsoberhäupter eine «Gemeinsame Erklärung des Friedens und der Freundschaft».

Das Nobelpreiskomitee würdigt nicht nur Abiys Verdienste beim Friedensschluss mit Eritrea, es zeichnet damit auch indirekt den ganzen Kontinent aus. Denn der ist voll von Menschen, die sich mit aller Kraft für Frieden und Menschenrechte einsetzen – auch wenn sie vom Rest der Welt kaum wahrgenommen werden.

«Auch wenn längst nicht alles gut ist in Äthiopien – es liegt vor allem an Abiy Ahmed, dass langsam vieles besser wird.»

In einer Zeit, da nationalistische Populisten internationale Konflikte befeuern, ist der Friedensnobelpreis für Abiy eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, auf Gegner zuzugehen, Kompromisse zu schliessen und alle Seiten im Blick zu haben, statt sich abzuschotten und nur für sein Land zu handeln. Der Lohn dafür kann enorm sein. Eine solche Freude, einen solchen Taumel wie im vergangenen Jahr, als Äthiopier und Eritreer sich endlich wieder besuchen konnten, als der Krieg endlich zu Ende war, hat man selten gesehen.

Auch wenn längst nicht alles gut ist in Äthiopien – es liegt vor allem an Abiy Ahmed, dass langsam vieles besser wird. Es gibt einige afrikanische Staats- oder Regierungschefs, die ihr Amt unter Jubel übernommen haben – und dann schwer enttäuschten. Vielleicht hilft der Friedensnobelpreis, dass in Äthiopien noch lange Freude und Optimismus herrschen.

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