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Moutiers Stadtbehörden rufen zur Besonnenheit auf

Die Stadtbehörden von Moutier befürchten, dass es am Abstimmungssonntag zu Ausschreitungen kommen könnte. Sie appellieren deshalb an die beiden Lager, Ruhe zu bewahren.

So wird sich die Landkarte verändern: Moutier wechselt zum Kanton Jura. Am 17. September 2017 stimmten die bernjurassischen Gemeinden Belprahon und Sorvilier für einen Verbleib beim Kanton Bern.
So wird sich die Landkarte verändern: Moutier wechselt zum Kanton Jura. Am 17. September 2017 stimmten die bernjurassischen Gemeinden Belprahon und Sorvilier für einen Verbleib beim Kanton Bern.
Sabine Glardon
Freinacht in Moutier: Die Abstimmungssieger feierten die ganze Nacht.
Freinacht in Moutier: Die Abstimmungssieger feierten die ganze Nacht.
Keystone
Für Dick Marty, Präsident der Interjurassischen Versammlung, ist der Urnengang «ein Beweis, dass wir in der Schweiz Konflikte demokratisch und transparent lösen können.»
Für Dick Marty, Präsident der Interjurassischen Versammlung, ist der Urnengang «ein Beweis, dass wir in der Schweiz Konflikte demokratisch und transparent lösen können.»
Keystone
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Die Stadtbehörden von Moutier und die beiden grossen Abstimmungskomitees haben die Bevölkerung für kommenden Sonntag zu Besonnenheit und Ruhe aufgerufen. Die Stimmberechtigten entscheiden dann, ob die Stadt vom Kanton Bern zum Kanton Jura wechseln soll. Die Frage spaltet die Gemeinde seit langem.

Am Abstimmungssonntag wird die Stadt wortwörtlich eine zweigeteilte sein. Die projurassische Seite schlägt ihr Hauptquartier im Osten des Städtchens auf, die probernische Seite im Westen. Um Provokationen zu vermeiden, sollen sich die beiden Lager möglichst aus dem Weg gehen.

Die Autonomisten, also die Anhänger eines Wechsels des bernjurassischen Städtchens zum Kanton Jura, versammeln sich ab 14 Uhr im Hotel de la Gare. Die probernischen Kräfte geben sich gut zwei Kilometer weiter westlich ein Stelldichein. Ab 13 Uhr versammeln sie sich im Forum de l'Arc.

Keine Gewalt gegen Personen oder Sachen

Die Stadtbehörden von Moutier und die Abstimmungskomitees rufen die Sympathisanten der beiden Lager auf, bis zur Bekanntgabe der Resultate an ihren jeweiligen Versammlungsorten zu bleiben, wie aus einer entsprechenden Mitteilung vom Mittwoch hervorgeht.

Die politischen Gegner appellieren gemeinsam an das staatsbürgerliche Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen. Die Integrität von Personen sowie Hab und Gut sei unbedingt zu respektieren.

Bei den Jura-Plebisziten in den 1970-er Jahren war Moutier Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzung zwischen jurassischen Autonomisten und Berner Polizeieinheiten. Der Appell an die Besonnenheit lancierten die Stadtbehörden und die Abstimmungskomitees nach einer gemeinsamen Sitzung, an der auch die Berner Kantonspolizei zugegen war. Die Stimmberechtigten von Moutier entscheiden am Sonntag, ob die 7000-Seelen-Gemeinde vom Kanton Bern zum Kanton Jura wechseln soll.

1979: Gründung des Kantons Jura

Die Abstimmung steht im Zusammenhang mit der jahrzehntealten Jurafrage. In den 1970-er Jahren führten mehrere Plebiszite zur Abspaltung der katholischen, französischsprachigen Bezirke des Kantons Bern und 1979 zur Gründung des Kantons Jura.

Die protestantisch geprägten, südjurassischen Bezirke und mit ihnen Moutier, verblieben bei Bern. Moutier stimmte in der Folge mehrmals über einen Kantonswechsel ab - mit hauchdünnen Mehrheiten für Bern. Wie die Abstimmung am Sonntag ausgeht, ist offen. Beobachter rechnen auf jeden Fall mit einem knappen Ergebnis.

SDA/tag

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