Wie ein grüner Pfeil

Shaunae Miller-Uibo stellt die Konkurrenz bei Weltklasse Zürich über 200 m in den Schatten. Mujinga Kambundji überzeugt als Fünfte.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Und diesmal: Grün! Shaunae ­Miller-Uibos Haarpracht ist stets ein Blickfang. Entsprechend enttäuscht die 25-Jährige von den Bahamas auch das Publikum im proppenvollen Letzigrund nicht. «Ich habe meine Meinung im letzten Moment geändert», sagt sie lachend. «Zuerst wollte ich wieder mit pinken Haaren rennen, aber ich bin happy, habe ich dann noch zu Grün gewechselt.»

Der 200-Meter-Lauf der Frauen wird im Vorfeld dieser 91. Ausgabe von Weltklasse Zürich als Highlight gehandelt. Und es lässt sich zweifellos festhalten: Diesem Prädikat wird er gerecht. Vor allem wegen des Auftritts von Miller-Uibo. In 21,74 stellt sie bei leichtem Gegenwind (0,4 m/s) gleich mehrere Rekordmarken auf: Persönliche Bestleistung, Jahresweltbestleistung und Diamond-League-Rekord. Nur Dina Asher-Smith kann der grossgewachsenen Athletin mit dem raumgreifenden Schritt einigermassen folgen, die Europameisterin verliert aber bereits 34 Hundertstel auf die überlegene Siegerin. Dritte wird Elaine Thompson in 22,44.

Die Schnellste wird fehlen

Man möchte nach dieser Par­forceleistung von einer Kampfansage für die in einem Monat beginnende Weltmeisterschaft schreiben. Von einem deutlichen Zeichen, dass Miller-Uibo an die Konkurrenz ausgesandt hat. Aber so ist es nicht. Wenn am 2. Oktober in Doha der Weltmeistertitel über die halbe Bahnrunde vergeben wird, wird die Jahresschnellste nicht mitlaufen. Miller-Uibo, die 2016 in Rio 400-m-Olympiasiegerin wurde, wollte an den Titelkämpfen zwar einen Doppelstart. Aber der Zeitplan lässt keine Kombination zu, so setzt sie auf ihre Paradedisziplin – und das ist die Bahnrunde. Ihre Chancen auf Gold sind auch in diesem Rennen ausgezeichnet, denn dieses Jahr war über die 400 m keine Athletin schneller als Miller-­Uibo.

Schnell mit grünem Haar: Shaunae Miller-Uibo läuft Mujinga Kambundji davon, die Schweizerin wird Fünfte. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

«Ich mag die 200 m ebenfalls, aber es ist, wie es ist», sagt sie achselzuckend. «So fokussiere ich halt einfach auf die 400 m, meinen Lieblingsevent.» Gegenüber der «Aargauer Zeitung» hielt sie am Mittwoch allerdings fest: «Wir versuchen zu bewirken, dass die Organisatoren der Olympischen Spiele den Zeitplan ändern.» Denn in Tokio möchte sie zweimal um Gold laufen, was mit dem momentanen Programm nicht möglich wäre.

In Zürich jedenfalls hat sich Miller-Uibo viel Selbstvertrauen geholt für den Auftritt in Doha. Und dann macht sie noch eine Ansage: «Für die WM werde ich mir etwas Spezielles überlegen.» Sie meint damit nicht die Leistung – sondern die künstliche Haarpracht.

Wertvolle Erfahrung

Ohne Perücke kommt derweil Mujinga Kambundji aus. Fünf Tage, nachdem sie in Basel in 22,26 einen neuen Landesrekord aufstellte, zeigt die Könizerin abermals ein gutes Rennen. In 22,58 wird sie Fünfte. «Der Rang bedeutet mir dieses Mal mehr als die Zeit», hält sie fest. Denn es sei ohnehin schwierig, unmittelbar auf eine persönliche Bestzeit nochmals einen draufzusetzen.

Kambundji erwischt im Letzigrund auf Bahn 7 einen guten Start, spürt aber dann in der Kurve bereits, wie die hochkarätige Konkurrenz innen heran und vorbei braust. «Aber ich konnte nicht schlecht mithalten», sagt sie danach. Vor allem bezwingt sie mit Blessing Okagbare eine Weltklasse-Athletin, und ist von der unmittelbar vor ihr klassierten Weltmeisterin Dafne Schippers nur 12 Hundertstel entfernt.

«Diese Erfahrung ist für mich hinsichtlich der WM sehr wertvoll», hält Kambundji fest. Nach einem harzigen Saisonauftakt hat sie definitiv den Rank gefunden. Am Sonntag wird sie nun an der Gala dei Castelli in Bellinzona nochmals über 100 Meter laufen. Es ist ihr letztes Rennen vor den Titelkämpfen. Und angesichts ihrer ansteigenden Form darf man durchaus gespannt sein, ob sie nach letzter Woche (11,00) nochmals einen draufsetzt.

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