ÖV-Branche krebst bei Generalabonnement zurück

Das Studenten-GA wird auf Ende 2019 nicht abgeschafft, eine Verteuerung des GA sistiert. Die Branchenorganisation CH-direct äussert sich zu den Gründen.

Das Generalabonnement für Studierende ist erst mal gerettet.

Das Generalabonnement für Studierende ist erst mal gerettet.

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Der Aufschrei war riesig, als der «Beobachter» bekannt machte, dass das Generalabonnement 10 Prozent teurer werden könnte. Das Studenten-GA sollte bereits auf Ende 2019 gestrichen werden, wie es im internen Papier der Branche heisst. Nun hat der öffentliche Druck etwas bewirkt. Die Branche will noch einmal über die Pläne nachdenken.

Unter Druck geraten ist die Organisation CH-direct. Sie bestimmt in der Schweiz über die Tarife im öffentlichen Verkehr. In der Organisation sitzen Vertreter der ÖV-Betriebe wie den SBB und der BLS, aber auch der regionalen Verkehrsverbünde wie dem ZVV.

Ein Sprecher erklärt nun den Rückzieher: «Man ist zum Schluss gekommen, dass es gescheiter ist, eine breit abgestützte Diskussion zu lancieren.» Von den teils heftigen Reaktionen sei man bei CH-direct aber nicht überrascht gewesen. «Wenn jemandem was weggenommen wird, gibt es natürlich negative Reaktionen», sagt Sprecher Thomas Ammann.

Der Rückzieher hat nun eine konkrete Folge: Das Studenten-GA wird auf 2019 nicht gestrichen. Dies sagte SBB-Personenverkehrschef Toni Häne vergangene Woche gegenüber dieser Zeitung.

Im Nachgang zur Berichterstattung über das interne Papier der Branchenorganisation hat CH-direct stets betont, dass noch kein Entscheid getroffen wurde. Nun zeigt sich: Zumindest im Fall des Studenten-GA gab es aber einen Antrag an das entscheidende Gremium. Dieser wurde nun zurückgezogen, heisst es bei CH-direct. Die Pläne waren also schon weit gediehen.

Onlinepetition mit 13'000 Unterschriften

Gegen die Abschaffung des GA Studierende, wie das Angebot offiziell heisst, haben die Jungen Grünen Widerstand geleistet. Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen, zeigt sich «sehr erfreut» über den Entscheid von CH-direct. «Das zeigt, dass der Druck der Gesellschaft funktioniert hat.»

Das Studenten-GA kostet heute gut 2600 Franken und ist für Studierende im Alter von 25 bis 30 erhältlich. Es ist rund 1200 Franken günstiger als ein Generalabo für Berufstätige, die gleich alt sind.

Franzini sagt, dass man nun den Druck aufrechterhalten und bei einem erneuten Angriff auf das Studenten-GA reagieren wolle. Denn Mobilität sei ein Grundrecht, und auch Leute mit geringerem Einkommen sollen den öffentlichen Verkehr benutzen können. Die angedachte Verteuerung sei aber vor allem ein Problem für die Umweltpolitik: «Die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene darf nicht mit solchen Ideen verhindert werden», sagt Franzini. Die Jungen Grünen wollen deshalb eine Onlinepetition mit über 13'000 Unterschriften gegen die Abschaffung des Studenten-GA der Verkehrskommission des Nationalrats übergeben.

Wer braucht welches Angebot?

CH-direct will nun das Angebot als Gesamtpaket anschauen. Einzelmassnahmen, wie die Abschaffung des Studenten-GA, soll es nicht geben. Vielmehr wolle man künftig Angebote entlang der Lebensphasen bieten: Also welches Billett in welchem Alter gelten soll.

Gleichzeitig will man ein vereinfachtes Angebot, das auch besser zu kommunizieren sei. So sagt Ammann: «Wir möchten Angebote und Preise, die von möglichst allen Kunden als fair und gerecht wahrgenommen werden und nicht einzelne Gruppen übermässig bevorzugen.» Mehr verdienen will die Branche dadurch nicht. Wenn irgendwo erhöht wird, soll an anderer Stelle der Preis kleiner werden.

Ebenso zur Diskussion steht die beliebte Gemeinde-Tageskarte. Zurzeit läuft eine Umfrage zum Thema bei Gemeinden und Städten, wie es mit dem Angebot weitergehen soll.

Auch wenn nun erst mal auf dieses Jahr keine Änderungen geplant sind: Ganz vom Tisch sind Preisaufschläge beim GA oder Sortimentsausdünnungen nicht. Das interne Papier zeigt vor allem, dass sich die Branche vertiefte Gedanken macht, wie die Tarifgestaltung in Zukunft funktionieren kann. Wohin die Reise gehen könnte: abgestufte GA-Preise. Wer mehr fährt, bezahlt mehr. Ein solches Modell brachte SBB-Chef Andreas Meyer vergangene Woche in der Sendung «Eco» zur Sprache.

Doch solche Ideen umzusetzen, braucht Zeit. Wann die Diskussion innerhalb der Branche erste umsetzbare Massnahmen hervorbringt, sei schwierig abzuschätzen, heisst es bei CH-direct. Es dürfte also noch etwas dauern, bis wieder ein Aufschrei durch die ÖV-Welt gehen wird. Denn eines ist klar: Schraubt der Verband am heutigen Preissystem, wird es Verlierer geben. Und die werden sich wehren.

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