Der Weg ist frei für geklonte Olympiapferde

Ein Pferd, das Olympiagold gewonnen hat, klonen? Verrückt, aber nach den Regeln des Reitsport-Weltverbands möglich. Die Hintergründe.

Urmutter aller Pferdeklone: Prometea (r.), geboren am 28. Mai 2003.

Urmutter aller Pferdeklone: Prometea (r.), geboren am 28. Mai 2003.

(Bild: Keystone)

Alexander Kühn@alexkuehnzh

Citius, altius, fortius – schneller, höher, stärker –, lautet der olympische Wahlspruch. Und auf keinen Olympioniken trifft die Losung von Pierre de Coubertin, dem Begründer der modernen Spiele, besser zu als auf die besten Springpferde des Planeten. Ein Weltklassereiter ohne ein Pferd von entsprechender Qualität ist wie ein Formel-1-Pilot in einem VW Käfer – chancenlos. Der König von Saudiarabien etwa stellte wiederholt siebenstellige Summen zur Verfügung, um seinen Springreitern, die am Montag im olympischen Teamspringen Bronze gewannen, exzellente Pferde zu beschaffen. Da aber auch andere Reitsport-Enthusiasten über jede Menge Geld verfügen, bekommt selbst der reichste unter ihnen nicht immer alles, was er will. Und wenn eines seiner Spitzenpferde in Pension geht, entsteht eine enorme Lücke. Es sei denn, er wendet sich einer Wissenschaft zu, die noch immer als eine Art schwarze Magie gilt: dem Klonen.

Im vergangenen Monat, neun Jahre nach der Geburt des ersten geklonten Pferds namens Prometea, hob die Fédération Equestre Internationale (FEI) das Wettkampfverbot für Klone und deren Nachkommen auf. Theoretisch dürfte also an kommenden Olympischen Spielen die Kopie eines Weltklassepferdes an den Start gehen. Im Springreiten gleichermassen wie in der Dressur, wo der rund 15 Millionen Franken teure Hengst Totilas als das Mass der Dinge gilt.

Nach 15 Fohlen ist Schluss

Anders als beim Kauf eines Pferdes mit einem grossen Leistungsausweis lässt sich beim Klonen der Erfolg aber nicht so leicht voraussehen. Der Prozess ist schwierig, kostet mehrere Hunderttausend Franken und bietet keine Garantie dafür, dass die Kopie auch das Talent des Originals besitzt. Mithilfe der Wissenschaft lassen sich jedoch selbst Nachkommen von Wallachen, kastrierten männlichen Pferden, erzeugen. Wallache sind unter den Spitzenpferden häufig, da sie den Ruf haben, kooperativer zu sein als ihre unversehrten Geschlechtsgenossen. Eine herkömmliche Stute ist derweil in ihrer Gebärfähigkeit limitiert, nach etwa 15 Fohlen ist Schluss.

Wie Graeme Cooke, der Chefveterinär der FEI, gegenüber dem Magazin «National Geographics» erklärte, werden geklonte Pferde in erster Linie dafür gebraucht, ihr genetisches Material weiterzugeben. Das Original nimmt an Wettkämpfen teil, die Kopie widmet sich vollumfänglich der Zeugung neuer Klone, aus deren Mitte dann vielleicht irgendwann einmal ein neues Goldpferd hervortritt.

Überraschend ist der Grund, weshalb Klonen nach dem Verbot im Jahr 2007 von der FEI nun wieder akzeptiert wird. Der Vorgang sei inzwischen bedeutend günstiger geworden, so der Weltverbandsvertreter Cooke. Das nehme der einst kaum finanzierbaren wissenschaftlichen Trickserei den Anstrich der Unfairness.

20 Prozent Erfolgsquote

Hergestellt werden die meisten Pferdekopien in den Laboren der Firma Via Gen im texanischen Austin, dem Marktführer in Sachen Klonen. Über Details seiner Arbeit schweigt sich das Unternehmen aus. Gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin «Focus» erklärte Gregg Veneklasen, der Erschaffer der erbgleichen Tiere, aber 2010, dass ungefähr jeder fünfte Embryo, den er einer Stute einpflanze, überlebe. Die Quote liege damit viermal höher als bei Rindern, zudem seien Pferdeklone in aller Regel gesund. Katrin Hinrichs von der Texas A & M University bestätigte diese These bedingt. Ihr seien in einer Studie mit 14 Pferden, die sie selbst geklont habe, keine grossen Unregelmässigkeiten aufgefallen, allerdings sei die Aussagekraft durch die begrenzte Anzahl untersuchter Tiere mit Vorsicht zu geniessen.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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