Federer gegen Murray oder die Revanche an Olympia

Roger Federer hat seine erste olympische Einzelmedaille auf sicher. Er gewann den denkwürdigen Halbfinal gegen Juan Martin Del Potro in drei Sätzen. Gegner im Kampf um Gold ist Andy Murray.

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Gegen den Argentinier Juan Martin Del Potro setzte sich Roger Federer nach 4 Stunden und 26 Minuten mit 3:6, 7:6, 19:17 durch. Am Sonntag winkt Federer die Chance, nach dem Triumph in der Doppel-Konkurrenz vor vier Jahren in Peking an der Seite von Stanislas Wawrinka auch Einzel-Gold zu gewinnen und damit die zweitletzte Lücke im Palmarès zu schliessen. Als allerletztes Ziel würde dann nur noch der Sieg im Davis-Cup verbleiben. Im sonntäglichen Final tritt der Schweizer gegen Andy Murray an, der den Serben Novak Djokovic mit 7:5, 7:5 bezwang. Damit kommt es zur Revanche des Finals des Grand-Slam-Turniers von Wimbledon 2012. Murray meinte schon mal vielsagend: «Möge der Bessere gewinnen.»

Der Baselbieter musste sich den Gewinn von olympischem Edelmetall im Einzel erdauern. Das gilt einerseits für die Anzahl Olympia-Starts. Bei seiner Premiere 2000 in Sydney scheiterte er im Duell um Bronze am Franzosen Arnaud Di Pasquale. Danach scheiterte er 2004 und 2008 als Weltnummer 1 jeweils an Aussenseitern – ers an Tomas Berdych, dann an James Blake. In London, oder genauer in Wimbledon, musste sich Federer die Medaille in seinem Halbfinal ungewöhnlich hart erarbeiten. Fast viereinhalb Stunden Spielzeit sind für eine Partie über zwei Gewinnsätze absolut nicht üblich. Und während der ersten beiden Stunden befand sich der Schweizer fast permanent in Rücklage.

Dramatischer Halbfinal

Federer verlor den ersten Satz mit 3:6 und musste im zweiten Satz bei 2:2 und 4:4 je einen Breakball abwehren. Auch zu Beginn des dritten Satzes boten sich dem Gegner aus Argentinien beim Stand von 1:0 die ersten Breakmöglichkeiten. Je länger die Partie dauerte, desto klarer erspielte sich Federer aber Vorteile. Im dritten Satz hätte er die Partie früher entscheiden müssen. Aber nach einem ersten Aufschlagdurchbruch zum 10:9, liess sich Federer zu Null den Aufschlag abnehmen. Ausserdem nutzte Federer Breakbälle bei 3:3 (1), 4:4 (1), 7:7 (1) und 14:14 (3 hintereinander) nicht.

Damit ist die Schweizer Delegation, die bisher schwach, aber auch unglücklich kämpfte, erlöst. Die erste Medaille steht dank Federer fest. Und auch die Nummer 1 der Welt hat sich einen Traum erfüllt: Eine olympische Einzelmedaille fehlte noch im Palmarès des Ausnahmekönners aus dem Baselbiet. Federer dachte auch an diesen Gesichtspunkt im Interview mit SRF: «Ich bin froh, dass ich den Weg zur Medaille gefunden habe. Ich hoffe, dass dies positive Emotionen für das ganze Olympia-Team bringen wird.»

Der Ruhetag ist Gold wert

Der Schweizer vergass auch nicht, das Tennis-Drama auf dem Centre Court von Wimbledon anzusprechen. «Es war ein sehr hartes Spiel gegen Juan Martin, auch mental. Im Prinzip war es oft das Gleiche.» Schliesslich schaffte es der Baselbieter doch noch, das zweite Break im Marathon-Satz Nummer 3 zu schaffen und den zweiten Matchball zu verwerten. «Ich war ziemlich geschafft nach dem Spiel. Die Dusche tat mir gut. Und ich bin froh, dass ich morgen einen Tag Pause habe. Das ist Gold wert für mich.» Den Ausdruck Gold hört man als Schweizer Sport-Fan natürlich besonders gerne.

Im zweiten Halbfinal setzte sich Lokalmatador Andy Murray mit 7:5, 7:5 gegen den Serben Novak Djokovic durch. Damit kommt es am Sonntag zur Revanche: Vor drei Wochen hatte sich Federer gegen Murray an der Church Road durchgesetzt und zum siebten Mal das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon gewonnen. Djokovic, der nach dem verlorenen Halbfinal sportlich fair Murray gratulierte und den Gegner als besser einstufte, scheiterte wie schon 2008 im olympischen Halbfinal. In Peking hatte er nach der Niederlage gegen den späteren Goldmedaillengewinner Rafael Nadal Bronze geholt. Am Sonntag trifft Djokovic im Spiel um Platz 3 auf Del Potro.

Bei den Frauen qualifizierte sich Maria Scharapowa als erste für den Final. Die Russin bezwang ihre Landsfrau Maria Kirilenko 6:2, 6:3. Scharapowa trifft im Endspiel auf Serena Williams aus den USA, die Viktoria Asarenka aus Weissrussland beim 6:1, 6:2-Sieg keine Chance liess.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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