Murray rechnet mit nervösem Federer

Andy Murray hofft, dass die historische Aussicht auf Einzelgold den bald 31-jährigen Roger Federer im Final des olympischen Tennisturniers lähmen wird.

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Alexander Kühn@alexkuehnzh

Einen knappen Monat nach dem epischen Wimbledon-Final heisst es im All England Club am Sonntag erneut Roger Federer gegen Andy Murray. Der Brite sieht seine Stunde gekommen, er rechnet damit, dass die Aussicht auf das ersehnte olympische Einzelgold für Federer zur Belastung werden könnte. Es müsse sich für den Schweizer seltsam anfühlen, um einen Titel zu spielen, den er noch nicht in seiner Sammlung habe, sagte Murray an der Pressekonferenz nach seinem Halfinalerfolg über den Weltranglistenzweiten Novak Djokovic. «Immer wenn ich sonst gegen ihn spielen musste, war er in der jeweiligen Situation viel, viel erfahrener als ich», gibt die Weltnummer 4 zu bedenken.

Während Federer nach dem Marathon-Match gegen Juan Martin Del Potro zugab, gehörig erschöpft und froh über den Ruhetag zu sein, signalisiert Murray Stärke: «Gewöhnlich bin ich nach einem Spiel gegen Djokovic müde, nun fühle ich mich frisch, auch mental.» Er werde mit seinem Team das Wimbledon-Endspiel noch einmal genau analysieren und seine taktischen Lehren ziehen. «Ich werde alles für den Sieg tun, denke aber nicht, dass es hilft, wenn ich die Partie als grosse Revanche sehe. Ich muss mich auf die Zukunft konzentrieren», so der Schotte weiter. Eine ganz andere Taktik als beim letzten Mal will Murray nicht anwenden. Es habe vieles sehr gut geklappt, er habe vor allem deshalb verloren, weil er seinen Vorgaben im dritten und vierten Satz nicht mehr konsequent genug gefolgt sei.

Federer denkt an das euphorische Publikum

Federer bemerkte derweil, dass das britische Publikum durchaus ein Faktor sein könnte, wenn er erneut auf Murray trifft: «Im Wimbledon-Final hat Andy unglaubliche Unterstützung bekommen. Ich konnte damals damit umgehen, aber es gibt keine Garantie.» Auch Djokovic erwähnte die Zuschauer in seiner Analyse des verlorenen Halbfinals: «Die Fans haben Andy gegen mich eine Menge Unterstützung und positive Energie gegeben. Er konnte das zu seinen Gunsten nutzen.» Über den Faktor Heimvorteil, im Fussball eine feste Grösse, spricht man im Tennis gewöhnlich sehr selten.

Die Chance, dass der Olympia-Final wie das Endspiel von Wimbledon unter dem geschlossenen Dach des Centre Courts stattfinden wird, was dem Techniker Federer entgegenkäme, ist gering. Die Meteorologen sagen für Sonntag mehrheitlich sonniges Wetter mit nur leichten Regenschauern voraus. Federer wäre nach Rafael Nadal, dem Olympiasieger von 2008, und Andre Agassi, dem Goldmedaillengewinner von 1996, erst erst der dritte Spieler, der alle vier Majors und das Olympia-Einzel gewinnen kann.

Etwas Luft in der Weltrangliste dank Djokovics Niederlage

In der Weltrangliste hat der 17-fache Grand-Slam-Champion durch Djokovics Halbfinal-Niederlage gegen Murray erst einmal ein wenig Luft. Der Vorsprung von momentan 75 Punkten gegenüber dem Serben könnte auf 555 Zähler anwachsen, falls Federer den Final gegen Murray gewinnt und Djokovic im Spiel um Bronze gegen Del Potro den Kürzeren zieht. Für den Olympiasieg sind 750 Punkte ausgesetzt, für Silber 450, für Bronze 340 und für Rang 4 noch 270.

Federer bleibt auf jeden Fall auch nach dem Masters-1000-Turnier von Toronto die Nummer 1, obwohl er aus Regenerationsgründen auf die Reise nach Kanada verzichtet. Er verliert als Achtelfinalist des Vorjahrs nur 90 Zähler, während Djokovic als Titelhalter keine zustätzlichen Punkte gewinnen kann.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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