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«Ich werde nicht sagen: ‹Hey, Homosexualität ist okay›»

Die australische Snowboard-Cross-Fahrerin Belle Brockhoff ist lesbisch. In Sotschi will sie das aber trotz ihrer Empörung über die restriktiven Gesetze nicht an die grosse Glocke hängen.

«Während der Spiele möchte ich in nichts Politisches verwickelt werden»: Die australische Snowboarderin Belle Brockhoff.
«Während der Spiele möchte ich in nichts Politisches verwickelt werden»: Die australische Snowboarderin Belle Brockhoff.
Reuters
Engagiert sich für die Rechte der Homosexuellen: Bei einem Shooting für eine Kleiderfirma, die sich gegen die fragwürdigen Gesetze in Russland einsetzt, war Brockhoff eines der Models.
Engagiert sich für die Rechte der Homosexuellen: Bei einem Shooting für eine Kleiderfirma, die sich gegen die fragwürdigen Gesetze in Russland einsetzt, war Brockhoff eines der Models.
Reuters
Fliegend: Brockhoff (ganz links) ist momentan Dreizehnte im Weltcup der Boardercrosser.
Fliegend: Brockhoff (ganz links) ist momentan Dreizehnte im Weltcup der Boardercrosser.
Keystone
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Die Haltung von Russlands Regierung gegenüber Homosexuellen ist eindeutig. Mit der Verabschiedung des Gesetzes, das die positiven Äusserungen über Homosexualität in Anwesenheit von Kindern unter Strafe stellt, hat Präsident Wladimir Putin ein deutliches Zeichen gesetzt. Dieses veranlasst die australische Snowboard-Cross-Fahrerin Belle Brockhoff, die öffentlich zu ihrer Homosexualität steht, aber nicht, die Olympischen Spiele in Sotschi für ausgiebige Protestaktionen zu nutzen. «Während der Spiele möchte ich in nichts Politisches verwickelt werden. Das ist nicht der Grund, weshalb ich dort bin. Mit meiner Anwesenheit will ich allerdings zeigen, dass ich keine Angst vor diesen Gesetzen habe – und das sollen auch die Homosexuellen in Russland sehen», sagt Brockhoff gegenüber der BBC. «Ich werde aber sicher nicht herumrennen und zu den Kindern sagen: ‹Hey, Homosexualität ist okay.›» Über solche Aktionen habe sie nicht einmal nachgedacht.

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, betonte letzte Woche: «Die Athleten sollen die Spiele in Sotschi nicht als Bühne für politische Demonstrationen nutzen – wie gut der Anlass dazu auch sein möge.» Bach erwähnte aber, dass die Sportler in den Pressekonferenzen zu ihren Events absolut frei seien, irgendwelche politischen Kommentare zu machen. Auch Putin selbst beteuert: «Wir haben kein Verbot für nichttraditionelle Beziehungen. Das Einzige ist, dass die Promotion von Homosexualität und Pädophilie unter Minderjährigen verboten ist. Es wird niemand verhaftet werden, die Athleten können sich frei fühlen in ihren Beziehungen – solange sie die Kinder in Frieden lassen.»

Das dezente Protestzeichen

Brockhoff verzichtet also auf harsche Proteste in Richtung russische Regierung. Eine kleine Aktion hat sie aber trotzdem geplant: «Sobald eine Kamera auf mich gerichtet ist, werde ich sechs Finger in die Höhe strecken.» Diese symbolisieren das sechste grundlegende Prinzip der Olympischen Charta, das besagt, dass «jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse, Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar ist.» Das sei ein Weg, wie sich Athleten ausdrücken können, ohne wirklich zu protestieren.

Und über eines ist sich die Australierin im Klaren: «Die Leute beschäftigen sich nur mit deiner Meinung, wenn du Gold holst.» Brockhoff dürfte für die Rennen in Sotschi also gleich doppelt motiviert sein.

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