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Weinhändler reagierenOnline blüht das Geschäft

Getrunken wird bekanntlich immer: Wer Weine im Internet anbietet, kann zurzeit von der Corona-Krise profitieren.

Daniel Böniger
Derzeit werden sie vorwiegend zu Hause entkorkt: Weine, bestellt im Internet.
Derzeit werden sie vorwiegend zu Hause entkorkt: Weine, bestellt im Internet.
Foto: PD

Gehört Wein zur Grundversorgung? Könnte man meinen, wenn man sich bei den Schweizer Weinhändlern umhört. «Wir profitieren derzeit von der Situation», sagt beispielsweise Philipp Schwander von der Sélection Schwander in Zürich: «Die Leute sind zu Hause statt im Restaurant, und sie kochen häufiger.» Da gehöre ein gutes Glas Wein natürlich dazu.

Es sei im Moment nicht unbedingt «die Zeit für Château Pétrus», fügt Schwander an. Gefragt seien bei seiner Kundschaft solide Weine, gut im Geschmack, aber vernünftig im Preis. Und trotzdem: Die grossen Bordeaux des Jahrgangs 2019 könnten attraktiv werden. Aufgrund der geplanten US-Strafzölle und der wegen Corona ausgefallenen Primeurs-Degustationen rechnet er bei den Bordeaux aus dem Vorjahr mit einer Preiskorrektur – zugunsten der Weintrinker.

Keine Unterschriften auf den Lieferscheinen

Bei den meisten Weintrinkern landen derzeit auffallend viele Mails von Weinhändlern in der Mailbox. Das liegt in erster Linie daran, dass deren Kundschaft aus der Gastronomie von einem Tag auf den anderen weggebrochen ist. Auch bei Martel Weine in St. Gallen mache man normalerweise gut die Hälfte des Umsatzes mit dem Gastgewerbe, erzählt Jan Martel. Auch er habe sich fragen müssen, wie man mit der aktuellen Lage umgehen solle. Er ging in die Offensive: Derzeit liefert er den Wein gratis an die Kundschaft, «und zwar schon ab einer einzigen Flasche.» Da lege man zwar teilweise drauf, der Grossteil der Kunden sei aber fair und bestelle in normalem Umfang.

Wenn immer möglich, liefere man die Weine in der Region persönlich aus: «Unsere Chauffeure halten sich an die Regeln des Social Distancing, arbeiten mit Handschuhen, und wir verzichten darauf, dass der Kunde seinen Lieferschein unterschreiben muss», sagt Jan Martel. Er beobachtet, dass teilweise auch teurere Weine daheim entkorkt würden: «Man hat jetzt Zeit dafür, so wie sonst nur an Feiertagen.»

Denner hat Heimlieferung für Wein eingestellt

Keine Regel ohne Ausnahme: Vom Boom im Online-Weinhandel nicht profitieren kann Denner. Der Weinshop sei vorübergehend eingestellt, heisst es auf der Website, weil man sich auf die Belieferung der Filialen konzentriere, «um die Versorgung mit Produkten des täglichen Bedarfs sicherzustellen.»

Sind jetzt also teurere oder günstigere Flaschen gefragt? Die Frage geht auch an Dominic Bläsi von Flaschenpost, wo Weine verschiedenster Anbieter online gekauft werden können. Er kennt die Zahlen genau und vergleicht den derzeitigen Durchschnittspreis pro Flasche mit dem Vorjahr: «Unverändert bei 18 Franken», sagt er.

Trotzdem kann auch Bläsi bestätigen, dass im Moment deutlich mehr Wein bestellt wird als üblich. Gleich doppelt so viel Wein wie vor einem Jahr, so verraten ihm seine Statistiken, bestellen die über 65-Jährigen, die zu Hause blieben. Eigentlich eine gute Nachricht.