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Umfrage zur Fusion Ostermundigen ist fusionsfreudiger als Bern

Bis im Juli konnten sich die Einwohnerinnen und Einwohner aus Bern und Ostermundigen zur Fusion äussern. Nun liegen die Ergebnisse der Umfrage vor.

Gehört die Gemeindegrenze zwischen Bern und Ostermundigen schon bald der Vergangenheit an?
Gehört die Gemeindegrenze zwischen Bern und Ostermundigen schon bald der Vergangenheit an?
Foto: Raphael Moser

Die Fusion auf den Weg bringen – oder zumindest erste Abklärungen tätigen. Das wollten die Stadt Bern, Ostermundigen, Kehrsatz, Bolligen, Frauenkappelen und Bremgarten dieses Jahr machen. Neben einer Studie (Ergebnis: eine Fusion ist machbar) und Informationsveranstaltungen wurde eine Online-Umfrage durchgeführt.

Corona brachte den Zeitplan durcheinander. Die Umfrage sollte beendet sein. Bis jetzt ist das erst in Bern und Ostermundigen der Fall, weil deren Parlamente Ende Jahr über Fusionsverhandlungen abstimmen sollen. Das Interesse an der Umfrage hielt sich dort in Grenzen: In Ostermundigen waren es 99 Personen, in Bern 116. Nun liegen die Ergebnisse vor, repräsentativ sind diese nicht – sie gewähren lediglich ein paar erste Einblicke.

Wer will fusionieren?

Es ist die drängendste Frage, die sich stellt: Wollen die Teilnehmenden fusionieren? Konkret sollten sie sich dazu äussern, ob ihre Gemeinde in den nächsten Jahren von einer Fusion profitieren würde. Für die Einwohnerinnen und Einwohner aus Ostermundigen und Bern, die an der Umfrage teilnahmen, ist die Antwort ein Ja.

In Ostermundigen ist man euphorischer als in der Stadt Bern. 65 Prozent sehen in einer Fusion mit mehreren Gemeinden Vorteile, eine Fusion nur mit der Stadt Bern erreicht eine Zustimmung von 64 Prozent. In der Stadt Bern ist es gut die Hälfte der Teilnehmenden, die in einer Fusion einen Vorteil sehen. Für 32 Prozent ist es «eher» von Vorteil.

Was sind die Vorteile?

Eine Mehrheit der Teilnehmenden ist für eine Fusion. Doch worin sehen sie die Vorteile? Auch danach wurden sie gefragt – die Antworten aus Bern und Ostermundigen fielen unterschiedlich aus.

Grösster Vorteil für Ostermundigerinnen und Ostermundiger: die Finanzen. Die Gemeinde ist seit Jahren finanziell in Bedrängnis. Mit einer Fusion, so die Hoffnung, könnte man sich Aufgaben und Ausgaben mit anderen teilen und damit Geld sparen. Ebenfalls wird mit dem tieferen Steuersatz von Bern geliebäugelt.

Eine grössere Stadt, so erhoffen sich die Bernerinnen und Berner, stärkt den Standort Bern – sowohl die Gemeinde wie auch den Kanton.

Was sind die Nachteile?

Die Vorteile überwiegen in der Umfrage. Nachteile sehen vor allem die Teilnehmenden aus Ostermundigen. Am meisten befürchten sie – was wenig erstaunt – eine Schwächung ihrer Autonomie. Häufig wurde in der Vergangenheit die Sorge geäussert, gegen die grosse Stadt den Kürzeren zu ziehen.

Nach der Autonomie am meisten genannt wurde als Nachteil: gar nichts. Auch in Bern wurden nur wenige Nachteile ins Feld geführt. Finanzielle Aspekte wurden genannt, politische Folgen – jedoch waren dies lediglich vereinzelte Äusserungen.

Wo ist Autonomie am wichtigsten?

Es ist die Frage, die bei einer Fusion immer aufflammt: Wie viel Autonomie geht verloren? In der Umfrage konnten sich die Teilnehmenden dazu äussern, wie wichtig ihnen die Selbstständigkeit als Stadtteil in einer fusionierten Stadt Bern ist.

Und das Ergebnis ist klar: Praktisch allen ist sie wichtig. Sei es in Fragen der Mobilität, der Raumplanung oder bei der Unterstützung von Vereinen. Schlusslicht der Liste bilden die Schalterdienste – doch auch hier stufen mehr als die Hälfte die Eigenständigkeit als wichtig ein.

Wie soll es weitergehen?

Die Studie liegt vor, die Vor- und Nachteile sind auf dem Tisch, und nun soll es konkret werden: Sollten sich die Parlamente in Bern und Ostermundigen für Verhandlungen entscheiden, werden die Rahmenbedingungen für eine Fusion ausgehandelt. In diesem Punkt sind sich die Teilnehmenden der Umfrage einig: Bern und Ostermundigen sollen die Verhandlungen aufnehmen – wobei auch betont wird, dass dies kein definitiver Entscheid für eine Fusion ist.