«Macht euch auf das Schlimmste gefasst»

«Charlie Hebdo» lässt Varoufakis Klartext sprechen: Der griechische Finanzminister warnt in dem Satire-Magazin seine europäischen Kollegen.

Stark gefragt: Die neue Ausgabe von «Charlie Hebdo» an einem Kiosk in Lille. (25. Februar 2015)

Stark gefragt: Die neue Ausgabe von «Charlie Hebdo» an einem Kiosk in Lille. (25. Februar 2015)

(Bild: Keystone)

In der neuen «Charlie Hebdo»-Ausgabe sind nicht nur bissige Karikaturen, sondern auch zornige Zitate von Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis abgedruckt. Im Interview mit der französischen Satirezeitung, die am Mittwoch erschien, warnte Varoufakis den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble und dessen Euro-Kollegen: «Wenn Ihr denkt, Ihr tut gut daran, progressive Regierungen wie unsere zur Strecke zu bringen, dann macht Euch auf das Schlimmste gefasst.»

Varoufakis hat in den vergangenen Wochen hart mit Brüssel und Berlin gerungen, um für seine Linksregierung eine Verlängerung der Finanzhilfe bei weniger drastischen Sparauflagen zu erreichen. Zwar wird die Hilfe nun fortgesetzt, doch muss Athen die von der Vorgängerregierung zugesagten Kürzungen und Reformen weitgehend umsetzen.

Wenn demokratisch gewählten Regierungen wie der seinen die Luft abgeschnürt werde und die Wähler in die Verzweiflung gestürzt würden, «dann profitieren davon nur die Fanatiker, die Rassisten, die Nationalisten und all diejenigen, die von Angst und Hass leben», sagte Varoufakis.

Reichtum als Problem

Er verglich die von den Gläubigern abverlangten Haushaltskürzungen mit der Medizin des Mittelalters: «Damals wurden Aderlasse verschrieben, die die Kranken oft noch kranker machten, worauf sie erneut zur Ader gelassen wurden.»

Die «Charlie Hebdo»-Journalisten fragten Varoufakis auch, ob seine Regierung nicht die orthodoxe Kirche Griechenlands und die Reeder ein wenig stärker zur Ader lassen wolle als die Vorgängerregierungen. Das Problem sei, dass der «enorme Reichtum» der Kirche keinen keinen allzu hohen Ertrag bringe, der versteuert werden könne, sagte der Finanzminister. Und die Reeder seien «sehr mobil», und es sei daher «wahrscheinlich, dass ihre Gewinne das Land verlassen würden, wenn sie versteuert werden müssten».

spu/AFP

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