Bluttat von Pfäffikon: Lebenslange Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Mordes

Das Pfäffiker Bezirksgericht hat sein Urteil gefällt: Shani S. wird wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Anwalt will «ganz sicher» Berufung einlegen.

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Liliane Minor@MinorLili

Der Schütze von Pfäffikon muss wegen Mordes lebenslänglich ins Gefängnis. Er ist heute Morgen vom Bezirksgericht Pfäffikon verurteilt worden. Kein Thema war eine Verwahrung; der Gerichtspsychiater hält den Täter für voll schuldfähig und nicht psychisch krank. Auch eine Therapie erhält er nicht.

Der Täter, der heute 60-jährige Shani S., hatte am 15. August 2011 seine Frau und die Leiterin des lokalen Sozialamts auf offener Strasse erschossen. Er sei dabei mit ausserordentlicher Kaltblütigkeit vorgegangen, sagte die Richterin: «Er hat seiner Frau im Auto abgepasst, gewartet, bis sie sich von ihrer Freundin verabschiedete, dann ging er ihr nach, packte sie am Arm und schoss ihr ohne grosse Worte drei Mal in den Kopf.»

Gericht glaubt Shani S. nicht

Der Beschuldigte hatte am zweiten Prozesstag einen Streit geschildert, welcher der Tat angeblich vorausgegangen sei. Dieser Schilderung glaubte das Gericht nicht: «Es gibt mehrere Zeugen, die den Ablauf beobachtet haben.» Auch die Leiterin des Pfäffiker Sozialamts habe Shani S. kaltblütig getötet. Er habe sie nicht etwa aus Distanz erschossen, sondern sie angesprochen: «Er wollte sicher stellen, dass er sie mit einem gezielten Kopfschuss töten kann.»

Die Schuld des Täters wiege deshalb ausserordentlich schwer, so die Richterin weiter. Hinzu komme das Motiv: «Es war in beiden Fällen ein reiner Racheakt.» Grund: Seine Ehefrau wollte sich von ihm trennen. Die Sozialamtsleiterin unterstützte die Frau in ihren Plänen, denn Shani S. hatte seine Frau und seine sechs Kinder schon seit Jahren mit Drohungen und Schlägen terrorisiert. Wie die Richterin weiter sagte, habe die Familie seit Jahren in Angst vor dem Vater gelebt. «Am 15. Juni wurde diese Angst noch viel konkreter, als er seine Frau mit einer Schere angriff.»

Kultureller Hintergrund verringert Strafmass nicht

Spätestens danach habe der Mann ganz konkrete Tatvorbereitungen getroffen. Er fuhr in den Kosovo, holte dort seine Pistole. Am 8. August reiste er zurück in die Schweiz, genau eine Woche vor der Tat. Am 9. August wurde er von der Polizei wegen des Angriffs auf seine Frau befragt. Und machte eine bedenkliche Aussage, welche die Richterin zitierte. «Haben Sie aktuell Pläne, Ihre Frau umzubringen?», fragte ihn ein Polizist. Worauf Shani S. Antwortete: «Nein. Aber wenn sie Probleme macht, denke ich schon daran.» Das zeige, dass die Tötungsabsicht schon lange fest in seinem Kopf gewesen sei, so die Richterin.

Der kulturelle Hintergrund des Mannes, der aus den Kosovo stammt, könne das Strafmass nicht verringern, sagte die Richterin: «Herr S. war seit 25 Jahren in der Schweiz, er kannte unsere Gepflogenheiten. Er wusste, dass sein Umgang mit der Familie hier in keiner Weise akzeptiert wird.»

Anwalt will Berufung einlegen

Shani S.nahm das Urteil aufrecht stehend, mit unbewegter Miene entgegen. Als er den Gerichtssaal verliess, nickte er der Richterin kurz zu, mehr nicht.

Der Staatsanwalt zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. «Das Gericht hat insbesondere anerkannt, dass Shani S.mit besonderer Kaltblütigkeit vorgegangen ist.» Der Verteidiger hingegen will «ganz sicher» Berufung einlegen. «Das war kein Mord», sagte er. Anfechten will er auch das psychiatrische Gutachten, weil er der Ansicht ist, Gerichtspsychiater Frank Urbaniok habe die Untersuchungsgespräche mit dem Täter unzulässig oft an eine Mitarbeiterin delegiert.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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