Zum Hauptinhalt springen

China will seine Bürger stehend begraben

Jedes Jahr sterben zehn Millionen Chinesen. Da braucht es ungewöhnliche Methoden, um Platz zu sparen.

Gerade in ländlichen Gebieten kommt dem Begräbnis eine grosse Bedeutung zu: Ein Mann trägt einen Sarg in einem Überschwemmungsgebiet.
Gerade in ländlichen Gebieten kommt dem Begräbnis eine grosse Bedeutung zu: Ein Mann trägt einen Sarg in einem Überschwemmungsgebiet.
Keystone

Särge, schwarz lackiert, zertrümmert und zu meterhohen Bergen aufgestapelt: Die Bewohner der südostchinesischen Provinz Jiangxi haben diese Szene aufgenommen. Die örtlichen Behörden hatten die Särge zuvor bei älteren Leuten zu Hause beschlagnahmt und unter einer Brücke entsorgt. In ganz China führen die Bilder nun zu erheblicher Empörung.

Denn Erdbestattungen haben in China eine jahrtausendealte Tradition. Nach dem Tod ihrer Angehörigen besuchen viele Chinesen deren Gräber, um Opfergaben wie zum Beispiel Papiergeld zu verbrennen. Dem Glauben nach sollen die Verstorbenen aus dem Jenseits auf das Leben der Menschen im Diesseits Einfluss nehmen können. Auf dem Land lassen sich Menschen deshalb in der Nähe ihres Geburtsortes bestatten – in der Erde ihrer Vorfahren. Särge guter Qualität kosten in China bis zu umgerechnet 700 Franken. Um sich eine feierliche Bestattung leisten zu können, beginnen die Chinesen in einigen Regionen bereits früh für ihren Sarg zu sparen und stellen ihn dann in die Wohnung, bis es so weit ist.

Mit dieser Tradition könnte es bald vorbei sein. Rund zehn Millionen Menschen sterben jedes Jahr in China. Und in dem schnell alternden Land steigen die Zahlen der Bestattungen deshalb rasant. Schon heute ist die Feuerbestattung in den Grossstädten, wo der Raum knapp ist, üblich. Aber auch in ländlichen Regionen appelliert die Kommunistische Partei daran, die alte Tradition aufzugeben. Seit zwei Jahren werben die Behörden für platzsparendere Arten der Bestattung. Dazu gehört neben der Feuerbestattung auch, die Asche auf dem Meer zu verstreuen. Oder aber die Verstorbenen mit dem Sarg stehend zu beerdigen.

Jahrelang für Sarg gespart

Auf dem Land haben die Lokalregierungen trotz der staatlichen Appelle Schwierigkeiten, die Reformen durchzusetzen. In der Provinz Jiangxi griffen die Behörden nun durch und schickten ihre Beamten in die Wohnungen, um die Menschen dazu zu bringen, ihre Särge herauszugeben. Sind diese erst zerstört, so das Kalkül, wären die Senioren gezwungen, einer Einäscherung in einer günstigeren Urne zuzustimmen. Einem Bericht der chinesischen Wirtschaftszeitung «Caixin Global» zufolge hatten viele der Senioren viele Jahre für ihren Sarg gespart und dessen Zerstörung unter Tränen verfolgt. Zudem sollen laut einigen anderen Berichten Särge mitsamt den Verstorbenen abtransportiert worden sein.

Inzwischen haben Offizielle aus der Provinz erklärt, die Regierung würde jedem Bürger 2000 Renminbi (280 Franken) bieten, wenn er seinen Sarg freiwillig herausrücke. Diskussionen über das heikle Thema werden im chinesischen Internet regelmässig zensiert: Unter einem Beitrag wurden alle 1000 Kommentare gelöscht; gegen einen Journalisten, der ein Video einer staatlichen Zerstörungsaktion geteilt hatte, wird ermittelt. Die Behörden hatten ihn aufgefordert, seinen Beitrag zu löschen, wolle er «weiter ein Leben in Frieden» führen.

Bald dürfte es im Jenseits in China nur noch Staatsgründer Mao Zedong wirklich gemütlich haben. Der liegt mumifiziert in einem eigenen Mausoleum im Zentrum Pekings. Mao wollte übrigens eingeäschert werden. Sein Wunsch wurde ignoriert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch