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Gebärdensprachdolmetscher war wegen Mordes angeklagt

Der Fall wird immer absurder: Gegen Thamsanqa Jantjie wurde bereits wegen fünf krimineller, teils schwerer Delikte ermittelt. Doch offenbar fehlt die Gerichtsakte.

Vergewaltigung, Diebstahl, Einbruch, Sachbeschädigung, Mord und Kidnapping: Die Kriminalakte von Thamsanqa Jantjie.
Vergewaltigung, Diebstahl, Einbruch, Sachbeschädigung, Mord und Kidnapping: Die Kriminalakte von Thamsanqa Jantjie.
Keystone

Der schizophrene Gebärdensprachdolmetscher Thamsanqa Jantjie hat offenbar eine kriminelle Vergangenheit, wie der südafrikanische Fernsehsender eNCA berichtete. Der 43-Jährige war im Jahr 2003 wegen Mordes angeklagt – damit nicht genug, er musste sich auch schon wegen Vergewaltigung (1994), Diebstahl (1995), Einbruch (1997), Sachbeschädigung (1998) sowie Kidnapping und versuchten Totschlags (2003) vor Gericht verantworten.

Die meisten Anklagen seien wieder fallen gelassen geworden, weil der Mann gemäss eNCA gesundheitlich nicht in der Lage war, einen Gerichtsprozess durchzustehen. Vom Vorwurf der Vergewaltigung sprach ihn das Gericht frei, doch wegen des Diebstahls verurteilten ihn die Richter zu drei Jahren Gefängnis – ob der Gebärdensprachdolmetscher die Haft damals antrat, ist unklar.

Die Gerichtsakte ist leer

Gerichtsprotokolle zeigen, dass Jantjie im Jahr 2003 mit anderen Leuten wegen Mordes und Kidnapping angeklagt wurde. Das Protokoll datiert auf das Jahr 2004 und bezieht sich auf das Gericht South Gauteng. Beendet wurde das Verfahren im November 2006 – das Ergebnis ist unbekannt, denn die Gerichtsakte ist leer, Unterlagen zum Fall fehlen.

Jantjie wollte sich bisher nicht zu den neuen Vorwürfen äussern, gleichzeitig meldet die nationale Sicherheitsbehörde, sie könne die Straftaten weder bestätigen noch dementieren.

Diskussion über Sicherheitsvorkehrungen

Der Wirbel um Jantjie sorgte auch für Diskussionen über die Sicherheitsvorkehrungen bei der Trauerfeier, bei der der Dolmetscher direkt neben Obama und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon gestanden hatte. Das Weisse Haus erklärte, für Sicherheitsfragen sei die südafrikanische Regierung zuständig. Es wäre aber «schade», wenn die Debatte über den Dolmetscher «von der Wichtigkeit des Ereignisses» und dem Erbe Mandelas ablenken würde, sagte Präsidentensprecher Josh Earnest in Washington.

Vor dem Haus des Dolmetschers sammelten sich gestern Journalisten. Er sorge sich um seine Familie und wolle sich deswegen nicht im Spital behandeln lassen.

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