College-Skandal: Jetzt könnte es schmutzig werden

Lori Loughlin plädiert in der Bestechungsaffäre auf unschuldig. Ein öffentlicher Prozess könnte pikante Details aus ihrem Privatleben zutage fördern.

Fühlt sich als Opfer, nicht als Täterin: Schauspielerin Lori Loughlin («Full House»). Foto: Reuters

Fühlt sich als Opfer, nicht als Täterin: Schauspielerin Lori Loughlin («Full House»). Foto: Reuters

Schuldig oder nicht schuldig – das ist die Frage, die sich derzeit all jene stellen müssen, die in den möglicherweise grössten Betrugsskandal verwickelt sind, den es jemals im amerikanischen Bildungssystem gegeben hat.

Laut Anklageschrift sollen insgesamt mehr als 25 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern geflossen sein, vermögende Eltern sollen mit teils siebenstelligen Summen dafür gesorgt haben, dass ihre Kinder auch ohne Eignung an Elite-Universitäten wie UCLA, USC, Stanford, Yale und Georgetown aufgenommen worden sind.

«Ich schäme mich»

Die Vorwürfe sind heftig, es geht unter anderem um Bestechung, Geldwäscherei, organisierte Kriminalität, Steuerhinterziehung und Behinderung der Justiz, bei einer Verurteilung drohen mehrjährige Haftstrafen.

Vorwürfe gegen Hollywood-Mütter

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Die Schauspielerin Felicity Huffman («Desperate Housewives») hat sich wie 13 andere Eltern bereits schuldig bekannt. Sie hatte einem 36 Jahre alten Absolventen der Harvard University über einen Mittelsmann insgesamt 15'000 Dollar bezahlt, damit der die Antworten ihrer Tochter Sofia beim standardisierten «Scholastic Aptitude Test» (SAT) frisierte. «Ich schäme mich», sagte Huffman in einem Statement: «Der Versuch, meiner Tochter zu helfen, ist keine Entschuldigung dafür, das Gesetz gebrochen zu haben.»

Die öffentliche Reue ist löblich, könnte indes wie das Geständnis selbst auch taktisch bedingt sein. Durch die Kooperation mit den Ermittlern hat die Staatsanwaltschaft einige Punkte der Anklage gegen Huffman fallen gelassen und soll nun eine Haftstrafe von zehn Monaten für Huffman fordern. Das berichtete der amerikanische TV-Sender CNN am Dienstag unter Berufung auf das Umfeld der Ermittler. Voraussichtlich werde die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe am unteren Ende der Spanne empfehlen sowie zwölf weitere Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe von 20'000 Dollar (rund 17'700 Euro), hiess es. Die nächste Anhörung findet am 21. Mai statt, bei der über eine mögliche Strafe verhandelt werden soll.

Mit einem Geständnis hätte Loughlin einen möglicherweise schmutzigen Prozess abwenden können. Sie hat sich jedoch anders entschieden.

Die Schauspielerin Lori Loughlin («Full House») und ihr Ehemann, der Modedesigner Mossimo Giannulli, wählen dagegen eine andere Strategie. Ihnen wird vorgeworfen, insgesamt eine halbe Million Dollar dafür bezahlt zu haben, dass ihre beiden Töchter, die Instagram-Influencerin Olivia Jade und die angehende Schauspielerin Isabella, als talentierte Ruderinnen an der University of Southern California aufgenommen werden. In Wahrheit hatten beide noch nie auch nur einen Fuss in ein Ruderboot gesetzt – und besondere Brisanz erhält der Fall dadurch, dass Olivia Jade in einem Youtube-Video gesagt hatte: «Ich bin nur wegen der Football-Spieltage und der Partys hier. Ich habe wirklich keinen Bock auf Schule, aber das wisst ihr ja sowieso alle.»

Loughlin und Giannulli plädieren auf nicht schuldig. Es heisst, dass sie sich als Opfer von William Singer fühlen, der über eine Beratungsfirma die Bestechungen organisiert hat. Sie hätten nicht gewusst, dass sie das Gesetz gebrochen hätten, und sie würden deshalb damit rechnen, dass der Richter sie nach einer Anhörung freisprechen würde. «Sie wussten, dass sie Regeln brechen – aber nicht das Gesetz», zitiert die gewöhnlich sehr gut informierte TV-Sendung Entertainment Tonight eine Quelle aus dem Umfeld von Loughlin.

Die Strategie ist riskant – nicht nur deshalb, weil die Anklage neben Betrug nun auch Verschwörung und Geldwäsche enthält und Loughlin bei einer Verurteilung bis zu 40 Jahre Haft drohen. Es ist durchaus möglich, dass bei einer öffentlichen Gerichtsverhandlung weitere pikante Details aus dem Privatleben der Familie bekannt werden. Mit einem Geständnis hätte Loughlin einen möglicherweise schmutzigen Prozess abwenden können. Sie hat sich jedoch anders entschieden.

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