Das lange Warten auf Patty Schnyders Lebensgeschichte

Gestern Mittwoch hätte die Biografie an der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden sollen. Es blieb erneut bei der Ankündigung.

«Die Veröffentlichung wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen»: Patty Schnyder mit Ehemann Rainer Hofmann.

«Die Veröffentlichung wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen»: Patty Schnyder mit Ehemann Rainer Hofmann.

(Bild: Keystone)

Hugo Stamm@HugoStamm

Seit mehreren Jahren kündet Rainer Hofmann die Veröffentlichung der Biografie «The White Mile» über seine Ehefrau Patty Schnyder an, die kürzlich vom Tennissport zurückgetreten ist. Am 12. Oktober sei es endgültig so weit, versprach Hofmann noch vor wenigen Tagen. Am kommenden Samstag werde Patty Schnyder sogar eine Lesung durchführen, die deutsche Startauflage umfasse 50'000 Exemplare.

Statt der Präsentation gab es dann gestern Mittwoch eine weitere Ausrede. «Die Veröffentlichung wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen», heisst es nun. Es wäre für die Leser unfair gewesen, die Biografie mit dem Rücktritt abzuschliessen, liessen die beiden verlauten. Nur: Die Biografie hätte ursprünglich das Leben von Patty Schnyder bis 2007 beschreiben sollen, wie Hofmann der «Basler Zeitung» (BaZ) vor wenigen Tagen bestätigte. Geplant war deshalb eine Fortsetzung.

«Vom Held zur Flöte»

Damit ist die wechselvolle Geschichte von Patty Schnyder um eine Posse reicher. Wer die auf der Website veröffentlichten Auszüge des Buches gelesen hat, bezweifelte das Projekt schon früher. Ein Häppchen aus Kapitel 11 belegt es: «Heute bist du ein Held, morgen eine Flöte. Auch das sind die Regeln beim Spiel der Kunst. Der Grat zwischen Idol und grauer Maus ist schmal, der Weg zum sportlichen Tennisolymp ist steil.»

Überhaupt ist das bewegte Leben des schillernden Paares in letzter Zeit vollends aus den Fugen geraten. Beide haben beim Betreibungsamt Höfe SZ Forderungen in der Höhe von mehreren Hunderttausend Franken am Hals. Der Hausrat wurde beschlagnahmt. Hofmann behauptete, er sei von seinem Treuhänder betrogen worden. Eiligst zog das Paar nach Deutschland ab.Um das Haushaltsbudget aufzupolieren, verschickte Hofmann an mehrere Medien – auch an den «Tages-Anzeiger» – Klageandrohungen und verlangte einen Schadenersatz von 58'000 Franken.

Härter traf es den «Blick», der früher Patty Schnyder eng begleitet und als deren Sprachrohr gedient hatte. Im «SonntagsBlick» durfte Patty Schnyder einst auf der Titelseite sagen: «Meine Eltern sind wie die Taliban». Nun verlangt das Paar von Ringier 8,7 Millionen Franken, weil «Blick» Informationen manipuliert habe. Von einer entsprechenden Klage ist bei Ringier jedoch nichts bekannt. Die BaZ hingegen, die vom «Duo infernal der Schweizer Sportszene» spricht, sieht sich tatsächlich mit einer Strafanzeige konfrontiert.

Tierärztin Patty Schnyder?

Aus den Tantiemen aus dem Buch wird vorerst nichts. Dafür soll Patty Schnyder bald für ein neues Einkommen sorgen. «Patty wird bald Tierärztin», sagt Hofmann der BaZ. Sie studiere bereits seit drei Jahren. Wie war das möglich, woher nahm sie die Zeit? In der Biografie heisst es, Patty habe sich Tag für Tag akribisch auf ihre sportlichen Aufgaben vorbereitet. Ausserdem hatte sie die Schule nach den obligatorischen neun Jahren verlassen und müsste zuerst die Matur nachholen.

Die BaZ kann sich keinen Reim auf die unerklärlichen Geschichten des prominenten Paares machen und fragt, ob es von den Verstrickungen ablenken wolle. Oder ob Hofmann, der einst wegen eines Millionenbetrugs verurteilt worden war, ganz einfach ein Hochstapler sei? Der TA versuchte vergeblich, Antworten von ihm zu erhalten.

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt