Archie? Wirklich? Einfach Archie?

Die Kurzform von Archibald für das Baby Sussex als Taufnamen zu wählen, ist ein klarer Bruch mit der Tradition.

Herzogin Meghan und Prinz Harry präsentieren den jüngsten Spross der Königsfamilie. (Reuters)

Gleich, nachdem Prinz Harry den vollen Namen seines neugeborenen Sohnes – Archie Harrison Mountbatten-Windsor – bekannt gegeben hatte, gingen auf Twitter die Spekulationen los: Archie? Wirklich? Einfach Archie? Oder ist das vielleicht doch eine Kurzform des altehrwürdigen «Archibald»? Nein, das Kind heisst Archie, was auch aus der offiziellen Ankündigung auf der Website royal.uk unzweideutig hervorgeht. Nachdem das klar war, gratulierte ein Namensvetter, der britische Journalist Archie Bland, dem Neugeborenen ausdrücklich dazu, dass es nicht «Archibald» geworden ist: «Dann hätte nämlich die Gefahr bestanden, dass man dir den Spitznamen ‹Baldy› (zu Deutsch: Glatzköpfchen) verpasst hätte», schreibt Bland im Guardian. Tatsächlich wäre das angesichts der Anlage männlicher Windsors zum Haarausfall grausam gewesen.

Die britischen Buchmacher hatten auf Albert oder Arthur gesetzt, und damit komplett danebengelegen. Dabei ist Archie keineswegs ein seltener Name in Grossbritannien. Seit der Jahrtausendwende ist seine Beliebtheit kontinuierlich gestiegen. Laut dem Office for National Statistics schaffte er es 2017 in England und Wales auf Platz 18 der beliebtesten Jungennamen (der zweite Name von Baby Sussex, Harrison, lag auf Rang 34).

In der britischen Oberschicht sind alberne Spitznamen normal – aus Albert wird «Bertie», aus Felicity «Fizzy» und aus Archibald eben «Archie». Die Kurzform gleich als Taufnamen zu wählen, ist allerdings ein klarer Bruch mit der Tradition. Häufige Namen für Mitglieder des Königshauses sind Henry, George, Edward oder William. Selbst der glücklich vermiedene, staubige Archibald taucht nirgends in der Liste englischer Monarchen auf. Er findet sich stattdessen vor allem in den Genealogien schottischer Adelsgeschlechter, der Campbells oder der Douglas.

Einen gewissen Familienbezug scheint es auch zu geben

Während «Harrison» noch relativ leicht und einfach als «Harrys Sohn» herzuleiten ist, bleibt die Frage: Warum ausgerechnet Archie? Eine mögliche Inspiration, auf die diverse Kommentatoren verweisen, ist die amerikanische Comicfigur Archie Andrews. Der Teenager erlebt schon seit 1941 mittelmässig interessante Abenteuer in der fiktiven Kleinstadt Riverdale. Dafür spricht, dass Archie Windsors Mutter Meghan Amerikanerin ist, und dass der Comic-Archie rotes Haar hat, genau wie Daddy Harry.

Die britische Historikerin Kate Williams hat andere mögliche Archie-Vorbilder ins Spiel gebracht: Den südafrikanischen Anthropologen, Autor und Cambridge-Dozenten Archie Mafeje sowie zwei amerikanische Musiker, den Rhythm-and-Blues-Sänger Archie Lee Bell und den Saxofonisten Archie Shepp. Dafür spräche, dass es sich dabei um bedeutende Persönlichkeiten schwarzer Hautfarbe handelt, womit eine Verbindung zu den afroamerikanischen Wurzeln Markles hergestellt wäre. Einen weiteren Archie, den von John Cleese dargestellten, verklemmten Anwalt Archie Leach aus dem Film «Ein Fisch namens Wanda» kann man als Referenz mit ziemlicher Sicherheit ausschliessen.

Einen gewissen Familienbezug scheint es auch zu geben: Das Klatschblatt Hello und die Sun berichten, eine Frau, die im Januar in einem Park ihren Hund spazieren führte, sei Prinz George über den Weg gelaufen. Der Erstgeborene von Harrys Bruder William ging dort unter Polizeischutz spazieren. Der Fünfjährige habe ihren Hund gestreichelt und sie habe ein bisschen Small Talk gemacht. «Ich fragte ihn, wie er heisst, obwohl ich das natürlich wusste», so die Hundehalterin. «Zu meiner Überraschung sagte er: ‹Ich heisse Archie'.» Es ist nicht bekannt, ob Prinz George einen Witz machte, oder ob er familienintern wirklich Archie genannt wird. Auf jeden Fall existiert jetzt auch offiziell ein Archie Windsor. Einen König Archie wird es aber wohl nicht geben, denn der Neugeborene ist nur siebter in der Thronfolge.

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