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Aus dem Inneren der «alten Tante»

Der ehemalige NZZ-Journalist Friedemann Bartu hat ein kritisches Porträt über seinen Arbeitgeber geschrieben.

Erlebte selbst noch die besten Jahre des Blatts: Friedemann Bartu. Foto: Philippe Bartu
Erlebte selbst noch die besten Jahre des Blatts: Friedemann Bartu. Foto: Philippe Bartu

Das fängt ja gut an: «Ich habe einiges von dem niedergeschrieben, was man als NZZ-Mitarbeiter nie schreiben konnte und durfte», sagt Friedemann Bartu. Daraus geworden ist «Umbruch», 269 flüssig geschriebene Seiten über den radikalen Wandel der «alten Tante» NZZ von der wirtschaftsfreisinnigen Institution zum Medienunternehmen mit ungewisser wirtschaftlicher Zukunft.

Bartu, der 1978 zur «Neuen Zürcher Zeitung» stiess, erlebte selbst noch die besten Jahre des Blatts. Also die Zeit, als der legendäre Auslandredaktor Christoph Mühlemann verkündete – und zwar ohne im Mindesten rot zu werden: «Der Leser weiss: Wenn es nicht in der NZZ steht, dann ist es auch nicht wichtig.» Nach fünf Jahren Recherche und Dutzenden von Gesprächen mit In- und Outsidern kann Bartu auch ein differenziertes aktuelles Bild der inzwischen digital, personell und finanziell durchgerüttelten Institution NZZ zeichnen.

Und was also ist sein Urteil über die NZZ nach den Umbrüchen der letzten Jahre? «Eine Zeitung wie die NZZ hat nur ihre Existenzberechtigung, wenn man sich auch an ihr reiben kann», sagt der 70-Jährige. Er meint das politisch. Unter ihrem heutigen Chefredaktor Eric Gujer mit seinem rechtsbürgerlichen Kurs sieht Bartu diesen Anspruch erfüllt.

Ab nach Goa

Als «Print-Grufti» hat Bartu die digitalen Pirouetten seines Arbeitgebers mit gemischten und negativen Gefühlen mitgemacht. Sein Fazit: «Der Abbruch ist geschafft, der Umbruch im vollen Gange, doch der Aufbruch lässt noch auf sich warten.»Was den Abbruch betrifft, schreibt Bartu nicht nur über die NZZ, sondern über alle Schweizer Zeitungen, wie sie einst funktionierten: Die Werbung spülte so viel Geld in die Kassen aller Verleger, nicht nur der NZZ, dass man sich Mitarbeiter leisten konnte, die im Jahr nicht mehr als zwei, drei Artikel schrieben. Man war generös, wohl zu generös. Seither hat die digitale Revolution die Einnahmen bei allen Verlagen radikal weggefressen.

Den wirtschaftlichen Krebsgang der NZZ begleitete eine schmerzhafte Abnabelung. In den guten alten Zeiten hatte ein direkter Draht von den Führungsetagen von FDP, Grossfinanz und Grossindustrie in die NZZ-Redaktion geführt. Nicht immer entzog sich diese gleich konsequent der Vereinnahmung. Detail- und anekdotenreich schildert Bartu die folgende turbulente Entfremdung. Deren Tiefpunkt war der Untergang der Swissair, deren Verwaltungsratspräsident gleichzeitig auch Präsident der NZZ war.

Nach 37 Jahren als Korrespondent auf Aussenposten war für Friedemann Bartu 2015 Schluss bei der NZZ. Er zog nach Indien. Auf Goa hütete er Ziegen. Er hatte Zeit, um in den Büchern und Zeitungsausschnitten zu blättern. Er begann die Anekdoten aufzuschreiben, die er selber erlebt hatte, aber auch die von Kollegen. Schliesslich befragte er systematisch ehemalige und aktuelle Angehörige des Hauses NZZ. Das Ergebnis: «Weder Abrechnung noch Gefälligkeitswerk», sagt Bartu. Aber, das darf man sagen, eine packende Geschichte.

«Umbruch. Ein kritisches Porträt.» Verlag Orell-Füssli. Buchpremiere am 17. März, 18Uhr, im Kunsthaus. Anmeldung an franziska.suter@ofv.ch

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