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Das seltsame Verschwinden einer 88-jährigen Schweizerin

Drei Unbekannte haben Magdalena Ottrubay in Österreich in eine Limousine gedrängt. Dann tauchte sie 400 Kilometer entfernt wieder auf. Steckt ein Erbstreit dahinter?

Ein Kameramann im Bereich des Schauplatzes der Entführung der 88-jährigen Magdalena Ottrubay in der Esterhazy-Strasse in Eisenstadt. Foto: Keystone
Ein Kameramann im Bereich des Schauplatzes der Entführung der 88-jährigen Magdalena Ottrubay in der Esterhazy-Strasse in Eisenstadt. Foto: Keystone

Ganz Eisenstadt war für ein paar Stunden im Ausnahmezustand. Eine Entführung! Am helllichten Tag, mitten in der ostösterreichischen Kleinstadt. Und das geradezu filmreif. Eine 88-jährige Dame geht Dienstagmittag mit ihrer Pflegerin im Ort spazieren. Zwei Limousinen halten, ein Mann und zwei Frauen springen heraus, stossen die Pflegerin zur Seite, drängen die alte Frau in einen der Wagen und fahren mit quietschenden Reifen davon.

Eine sofortige Grossfahndung der Polizei bringt vorerst kein Ergebnis. Und das, obwohl der Name des Opfers sehr prominent ist. Magdalena Ottrubay ist die Mutter von Stephan Ottrubay, der von Eisenstadt aus Schlösser, Wälder und Geld der Esterhazys verwaltet. Die ursprünglich ungarische Familie emigrierte nach dem Zweiten Weltkrieg in die Schweiz, sowohl Magdalena Ottrubay als auch ihre fünf Kinder sind Schweizer Staatsbürger.

Streit nimmt neue Dimension an

In der Familie soll es Streit geben, der mit dem Erbe der Esterhazys zusammenhängt. Mit der vermeintlichen Entführung der Mutter hat dieser Streit eine neue Dimension bekommen. Vermeintlich – weil Magdalena Ottrubay am Tag danach wieder auftauchte, bei ihrer Tochter in Kitzbühel. Das bestätigte die Tiroler Polizei. Ob die alte Dame in Eisenstadt freiwillig in das Auto gestiegen oder gezwungen worden war, bleibt umstritten. Die burgenländische Polizei ermittelt.

Die Beziehung der Familien Esterhazy und Ottrubay ist ebenso eng wie konfliktbeladen. Paul Esterhazy, der letzte Fürst des alten ungarischen Adelsgeschlechts, heiratete 1946 die Primaballerina der Budapester Oper, Melinda Ottrubay. Nach der Machtübernahme der Kommunisten flohen sie in die Schweiz, ebenso wie Melindas Bruder Josef, der dann in Zürich die ebenfalls aus Ungarn stammende Magdalena von Arentschildt heiratete. Fürst Paul starb 1989 kinderlos, seine Witwe Melinda brachte 800 Millionen Euro aus dem Vermögen der Esterhazys in mehrere Stiftungen ein und übertrug die Geschäfte ihrem Lieblingsneffen Stephan Ottrubay.

Lieblingsneffe soll Vermögen schlecht verwalten

An diesem Punkt beginnen familiäre Wirrungen, die bis heute andauern: Die direkten Verwandten des Fürsten aus der Esterhazy-Linie werfen Ottrubay vor, er wirtschafte schlecht und verweigere ihnen einen Anteil am familiären Vermögen. Überdies habe er Melinda Esterhazy vor ihnen versteckt. Sie starb 2014. Zu ihrem Erbe gehören neben viel Geld mehrere Burgen sowie ein Teil des Neusiedlersees an der österreichisch-ungarischen Grenze.

Melindas offenbar recht streitlustiger Neffe Stephan Ottrubay ging auch auf Konfrontationskurs mit der Landesregierung des Burgenlands und entzog ihr die Nutzungsrechte für das Stammschloss der Esterhazys in Eisenstadt. Hier hatte schon Joseph Haydn gelebt und für einen musikbegeisterten Fürsten Esterhazy komponiert. Doch die Haydn-Festspiele können wegen des Streits nicht mehr im Schloss stattfinden. Erst Ende 2018 legten Landesregierung und Stiftung ihren Streit bei.

Stephan Ottrubay vor dem Stammschloss der Esterhazys in Eisenstadt. Foto: Imago
Stephan Ottrubay vor dem Stammschloss der Esterhazys in Eisenstadt. Foto: Imago

Nun ist die «Entführung» der Frau Magdalena ein untrügliches Zeichen, dass der Streit innerhalb der Familie Ottrubay eskaliert. Die in Österreich «entführte» Magdalena Ottrubay ist immer noch in Luzern gemeldet. Erst vor einigen Wochen übersiedelte sie nach Eisenstadt zu ihrem Sohn Stephan. Auch hier ist nicht klar, ob der Ortswechsel wirklich freiwillig war. Von der Familie Ottrubay war niemand zu einer Stellungnahme bereit.

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