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Ganz allein auf Hawaii

Ed Snowdens Freundin Lindsay Mills ist sehr gelenkig, nennt sich Superheldin – und will von nichts gewusst haben.

Lindsay Mills ist Ballerina und lässt sich vorzugsweise knapp bekleidet ablichten
Lindsay Mills ist Ballerina und lässt sich vorzugsweise knapp bekleidet ablichten
PD

Ed Snowden, der Mann, der die Welt hat wissen lassen, dass Amerikas Agenten mitlesen, wenn immer irgendwo eine E-Mail geschrieben wird, schien auf den ersten Blick ein eher stilles Wasser zu sein. Einer von der Sorte, die nicht auffällt. Dessen Gesicht man sofort wieder vergisst. Er sieht ja nicht einmal aus wie ein zünftiger Nerd oder ein sinistrer Hacker, sondern mehr wie ein Streber. Oder ein Prokurist. Jedenfalls wie einer, der sein Handy am Gürtel trägt.

Man hätte ihm wohl nicht zugetraut, was er sich dann getraut hatte. Inzwischen ist der 28-Jährige eine Berühmtheit und für viele ein veritabler Held. Seit gestern ist sein Heldenstatus noch grösser: Wegen seiner Freundin, die er seiner Mission geopfert und am gemeinsamen Wohnort Hawaii zurückgelassen hatte – eine solch schillernde Frau an seiner Seite hätte man keinesfalls erwartet.

Ballerina und Pole-Dancer

Lindsay Mills (28) attraktiv, sehr gelenkig, lässt sich vorzugsweise knapp bekleidet ablichten. Was indes mit ihrer Profession zu erklären ist: Miss Mills ist Ballerina und Pole-Dancer. Das weiss man deshalb, weil die Verlassene ihren Kummer im World Wide Web kundgetan hat. Auf einer, wie sie festhielt, «tränennassen Tastatur». Sie schreibt von sich als eine Art Treibgut, sie sei «ohne Kompass auf hoher See verloren».

Whistleblower Snowden hatte im «Guardian» erklärt, seine Freundin habe nichts von seinen Plänen gewusst. Er habe sich mit unbestimmtem Ziel für mehrere Wochen verabschiedet, das sei schliesslich nicht ungewöhnlich für jemanden, der seit Jahren in der Geheimdienstbranche tätig sei. Möglicherweise war es klug von ihm, sie nicht einzuweihen, denn Miss Mills scheint eine kommunikative Person zu sein. Sie betreibt seit langem den Blog «L’s Journey», Untertitel: «Abenteuer einer Superheldin, die als Pole-Dancer um die Welt reist». Der Blog ist momentan nicht mehr in Betrieb, aber zuvor war da allerhand zu erfahren gewesen über ihr Leben und ihre Beziehung mit Snowden. Besonders interessant ist das meiste nicht. Es sind die üblichen, belanglosen Tagebucheinträge einer jungen Frau, die mitunter kindlich klingt, wie etwa als sie schrieb: «Ich wollte immer auf dem Titelblatt eines Magazins zu sehen sein, mit Photoshop zur Perfektion gebracht. Leider wurde ich nicht als griechische, amazonenhafte Sex-Göttin geboren, sondern als kleine Träumerin.»

Aber da sind ja auch die Bilder. Zum Entzücken der Medien und der männlichen Twitter-Gemeinde haufenweise Bilder. Mills um eine Pole-Dance-Stange gewickelt. Mills auf einem Stuhl posierend, nur mit einem Höschen (und einem Buch) bekleidet. Mills vor einem Wasserfall planschend, mit einem Mann, der aussieht wie Snowden und den sie in ihren Einträgen liebevoll E nennt.

Jetzt also Lindsay Mills allein in Hawaii, einem Ort, an dem sie sich nicht wohlfühlt. Ob sie wirklich nichts über die Absichten ihres Freundes wusste, ist unklar. Am 4. Juli des letzten Jahres – dem Unabhängigkeitstag – rief sie ihre Blog-Leser dazu auf, eine Petition gegen ein neues Anti-Online-Piraterie-Gesetz zu unterzeichnen. Und sie schrieb auch: Mit Amerikas Freiheit sei es nicht mehr weit her. Sie hoffe, dass die Menschen das sehen könnten und sich fragten: Wollen wir wirklich so leben? Mit denselben Worten erklärte elf Monate später ihr abtrünniger Freund sein Tun einer fassungslosen Öffentlichkeit.

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