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«Ich stand allein da mit meinen Angehörigen»

Die Mutter der seit Januar vermissten Zwillinge Alessia und Livia äusserte sich erstmals in einem Interview. Über die Arbeit der Behörden fällt sie ein schlechtes Urteil.

«Mir sagte die Polizei jeweils nur: Wir haben nichts Neues»: Irina Lucidi.
«Mir sagte die Polizei jeweils nur: Wir haben nichts Neues»: Irina Lucidi.
Keystone

Die Mutter der seit Ende Januar verschwundenen Zwillinge Alessia und Livia kritisiert das Fehlen einer Begleitungsstruktur für Angehörige von vermissten Personen. Sie fordert, dass in solchen Fällen ein Vermittler eingesetzt wird.

«Ich stand allein mit meinen Angehörigen da», sagte Irina Lucidi in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «Matin Dimanche». In der Schweiz existiere keine Institution, welche sich um die Angehörigen von Entführungsopfern befasse. Die Mutter der beiden entführten Zwillinge verweist auf Frankreich, wo telefonisch rund um die Uhr psychologische und juristische Ratschläge angeboten werden.

Eine solche Unterstützung sei entscheidend für die Angehörigen. Während man ein solches Ereignis miterlebe, habe man das Bedürfnis, informiert zu werden. «Mir sagte die Polizei jeweils nur: Wir haben nichts Neues», beklagt sie sich.

Vorschlag eines Vermittlerpostens

Um solche Situationen besser zu bewältigen, schlägt die Mutter von Alessia und Livia die Schaffung eines Vermittlerpostens vor. Dieser sollte die Verbindung zwischen der Familie von Verschwundenen, der Polizei, den Anwälten und anderer beteiligter Kreise herstellten. Dieser könnte auch im Namen der Familie an die Öffentlichkeit treten.

Irina Lucidi selber wurde in den Wochen und Monaten nach dem Verschwinden ihrer beiden Töchter von der privaten Vereinigung Swissmissing unterstützt. Auch heute noch telefoniere sie fast täglich mit diesen Leuten, um sich über den neuesten Stand der Untersuchungen auf dem Laufenden zu halten.

Irina Lucidi wünscht sich, dass die Suche nach ihren Töchtern fortgesetzt wird, ob sie noch leben oder tot sind. Wichtig sei ihr in beiden Fällen, dass man sie finde. Sie nicht zu finden, hinterlasse in ihr eine Leere. Man müsse allen nur möglichen Spuren nachgehen.

Von den vom Vater entführten Zwillingen fehlt seit Ende Januar jede Spur. Der Vater selber warf sich Anfang Februar in Süditalien vor einen Zug. In einem Brief kündigte er an, dass man die Zwillinge nie mehr finden werde.

SDA/mrs

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